Frittenbude – Rote Sonne

Album Rote Sonne
Label Audiolith
Musikrichtung Elektropunk
Redaktion
Lesermeinung
7.5

Warum ein Konzept ändern, wenn es sich bewährt hat? Das mag sich so manch einer denken, wenn er in das neue Album der Elektropunker von Frittenbude reinhört. Denn „Rote Sonne“ katapuliert den Hörer zurück in die Zeit von Songs wie „Bilder mit Katze“ oder „Hildegard“.

Gleich der erste Song „Kill Kill Kill“ bringt die typischen Achtelbässe, die Fans der Band sofort und seit elf Jahren immer wieder in ihren Bann ziehen. Es folgt das sehr eingängige und partytaugliche „Vida“, bei dem es aber – typisch für Frittenbude – um ernste Themen geht. Ein starker Kontrast: Metaphorisch, fast schon geheimnisvoll singt das Trio vom Sinn des Lebens – zu treibenden Beats und einer relativ einfach gestrickten Melodie, die an Bands wie Neodisco erinnert.

Vor allem aber üben die Musiker immer wieder Kritik an ihrer eigenen Generation, deren Zukunftsangst und Perspektivlosigkeit – so auch auf „Insel“: „Du, du, du, du, du rennst einfach weg, vor allen Problemen, bis sie dich einholen. Kein Ziel, keine Zukunft, lass einfach los, los, los.“ Sogar ziemlich resigniert scheinen die drei Musiker bei aller Kritik an ihrer Generation zu sein, was auch das schwermütige „Alles was wir nicht tun“ zeigt: „Früher alles so leicht, heute alles so leer.“

Wie auch schon auf ihren letzten Alben positionieren sich Frittenbude gegen Rechts, ihre erste Single „Die Dunkelheit darf niemals siegen“ ist ein wütender Rundumschlag mit deutlichen Worten: „Rechtspopulisten, identitäre Faschos boxt man am besten direkt in die Isar. Wer in Sachsen geblieben ist, weiß, was es heißt, Angst zu haben. Aber alle anderen wissen es auch: Hauptsache keine geflüchteten Kinder mehr auf den Spielplätzen im Prenzlauer Berg.“

Man kann nicht abstreiten, dass die neuen Songs von Frittenbude sehr eingängig sind, doch vermisst der Hörer eine Art Innovation, einen Aha-Moment. Kurrzeitig tritt dieser beim Track „Brennen“ auf, der mit Auto-Tune und einer scheinbar dissonanten Melodie spielt. Auch die Single „Süchtig“ ist sehr gelungen und lässt sich wie viele der anderen Tracks extrem gut und schnell mitsingen, was den Partysound der Platte noch zusätzlich unterstreicht.

Mit „Rote Sonne“ melden sich Frittenbude vier Jahre nach „Küken des Orion“ zurück, zwar eher solide und auf alte Traditionen bedacht denn innovativ – durchaus hörenswert.

Autor Denise Frommeyer
Wohnort Mainz
Beruf Online-Redakteurin
Dabei seit November 2014
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