Glitterer – Looking Through The Shades

Band Glitterer
Label Anti Records
Musikrichtung Electronic, Punk, Indie
Redaktion
Lesermeinung
7.5

Wo sind Title Fight? Eine Frage, die vor allem in den vergangenen Monaten immer wieder in den sozialen Medien zu lesen war. Vier Jahre sind seit dem letzten Album und der letzten Tour der Band aus Kingston vergangen. Im Gegensatz zu seiner Hauptband macht sich Ned Russin aber keineswegs rar: Der Title Fight-Sänger und -Bassist treibt seit zwei Jahren unter dem Pseudonym Glitterer sein Unwesen und veröffentlichte in Eigenregie bereits zwei EPs. Nun folgt mit „Looking Through The Shades“ sein Debütalbum über Anti Records (The Drums, Deafheaven).

Die Songs auf „Looking Through The Shades“ kommen mit einer durchschnittlichen Spielzeit von anderthalb Minuten nicht nur kürzer als von Title Fight gewohnt daher, sondern erfreuen sich auch einem komplett anderen Arrangement und Stil. Zwar setzt Ned Russin auch hier auf seine prägnante Stimme und sein sofort ins Ohr gehendes Bassspiel, der Rest aber spielt sich in elektronischeren Spähren ab: Dank diverser Samples und Synthesizer werden die Songs ordentlich durch die Mangel genommen.

Diesmal hat sich Russin, anders als auf den vorherigen, komplett in Eigenregie und teilweise am Computer entstandenen EPs „Glitterer“ (2017) und „Not Glitterer“ (2018), Verstärkung durch seinen Bruder und Title Fight-Drummer Ben geholt.

Obendrein ist Power Trip-Gitarrist Arthur Rizk an Bord und abgerundet wird das illustre Gesamtpaket von Star-Produzentin Emily Lazar (Foo Fighters, Coldplay). All das ändert aber nichts an der Tatsache, dass man die elektronische Schlagseite in fast jedem Song heraushört. So zum Beispiel in der vorab veröffentlichten Single „Two“, die das Verhältnis zwischen Ned und seinem Bruder Ben schildert.

Aber keine Sorge, „Looking Through The Shades“ klingt nicht wie ein Electro Pop-Album: Songs wie „Digging In The Trash“, „Perfect“ oder der Opener „The Race“ glänzen durch simple, in die Ohren gehende Gitarrenmelodien, lassen die elektronischen Samples in den Hintergrund rücken und könnten in ähnlicher Form gewiss auch auf einem Title Fight-Album zu finden sein. Dementsprechend erinnert „Looking Through The Shades“ auch in so manchen Momenten an die Band aus Kingston, die derzeit so sehr vermisst wird.

Glitterer ist also vermutlich die beste Alternative zu Title Fight, die man in der nächsten Zeit bekommen wird – und eine verdammt Gute, wenn auch ungleich Poppigere noch dazu. Ned Russin ist ein exzellenter Songwriter, der auch ohne seine Band im Gepäck ein ein gutes Album zu machen vermag. Sein Debüt umfasst 14 Songs zwischen minimalistschem Electro-Pop, Punk und Indie, die ins Ohr gehen und trotz ihrer doch recht kurzen Spielzeit von rund 20 Minuten kaum Wünsche übrig lassen dürften.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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