Gone To Waste – Barking Dogs Don’t Bite

Musikrichtung Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
7

Der Kompromiss des Jahres kommt aus dem Ruhrpott und hört auf den Namen „Barking Dogs Don’t Bite“. Den Jungs von Gone To Waste ist nämlich gelungen, was leichter klingt als es ist: Sie haben ein Hardcore-Album produziert, das gleich zwei Dinge auf einmal kann. Einerseits strotzen alle elf Songs vor Live-Potential: Denn mit Break Downs geizen Gone To Waste nach wie vor nur ungern. Andererseits erfreut die Platte ebenso im heimischen Wohnzimmer – sogar im vierten, fünften und sechsten Durchgang.

Ausreichend Zeit zum Üben und Probieren hatte man ja auch: Schon mehr als fünf Jahre besteht die Band, die sich mit energiegeladenen Shows einen Namen in der Szene machte. Nun erscheint mit „Barking Dogs Don’t Bite“ die erste LP und es fällt schwer, darüber groß zu meckern. Ein ausgedehntes orchestrales Intro unterstreicht, dass Gone To Waste bemüht sind, mehr zu bieten als Hardcore von der Stange. Auch in weiteren Songs lockern kurze Film- und Rap-Einspieler das 30-minütige Album auf. Dass so etwas bestens funktioniert, wissen wir spätestens seit Cold World.

Sänger Lukas bellt gewohnt inbrünstig und kraftvoll ins Mikro. Es ist schwer vorstellbar, dass es eine bessere Stimme für diese Band gäbe. Begleitet wird er von treibenden Gitarrenriffs und Tempo-Wechseln, die meist im unvermeidbaren Break Down gipfeln. Im Song „Paradise“ bleibt gar Zeit für ein kleines Gitarrensolo. Es gelingt, über die elf Songs hinweg kaum Langeweile aufkommen zu lassen. Woran das liegt? Gone To Waste verzichteten auf einen Studio-Alleingang und setzten lieber auf externe Verstärkung. Eine goldrichtige Entscheidung, denn so klingt die Platte noch lebendiger! Als Erstes geben sich die Jungs von Dull Eyes, mit ihrem Gastauftritt beim Song „Strassenblues“ die Ehre und zu „No Love“ bekommt dann noch Harm/Shelter-Sänger Jay das Mikro in die Hand gedrückt.

Gone To Waste stoßen mit dieser LP keinem ihrer Fans vor den Kopf. Die gewohnte Härte vermisst man nirgendwo und textlich trägt die Band ihr Herz weiterhin am linken, gesellschaftskritischen Fleck. Hätte noch mehr Experimentierfreude dem Album gut getan? Vielleicht. Im Zweifel jedoch eher nicht. Denn seien wir ehrlich: Hardcore lebt von seiner Kontinuität und Vorhersehbarkeit. Unterm Strich liefern Gone To Waste eine halbe Stunde harter und unterhaltsamer Musik, die ganz nebenbei noch nach einer sauberen und professionellen Produktion klingt. Für all jene, die auch nur im Entferntesten etwas mit Namen wie Risk It!, Soulground, Light It Up, Cold World oder Black Friday 29 anfangen können, sei folgender Hinweis hinterlassen: Beschert euch einen goldenen Herbst – und gönnt euch diese Platte!

Hinterlasse einen Kommentar