Grand Griffon – Protektor

Album Protektor
Label Zeitstrafe
Musikrichtung Post-Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
7

Was war das Geschrei groß, als DIE deutsche Post-Hardcoreinstitution Escapado anno 2009 bekannt gaben, dass Sänger Helge und Bassist Gunnar die Band verlassen werden. Nun, Escapado haben ja im letzten Jahr mit Montgomery Mundtot“ bewiesen, dass auch deren Nachfolger durchaus ins Kollektiv passen und eine weitere überdurchschnittliche Scheibe herausgebracht. Was jedoch die anderen beiden Herren seit dem anstellen gibt es jetzt hier zu hören: Man hat sich noch Leute von Tackleberry und Kurhaus mit ins Boot geholt und dabei sind Grand Griffon entstanden, Protektor“ ist das erste Studioalbum dieser kleinen deutschen Szene-Allstarband“.

Etwas punkiger als bei der Vorgängerband geht es hier zu, ohne dabei allerdings in die Tackleberrygefilde abzudriften. Eine Mischung aus Emo, Punk und Hardcore am Puls der Zeit, wie nicht anders zu erwarten mit tiefgründigen deutschen Texten. Roher und strikter geradeaus als die Kollegen von Captain Planet oder Matula, eingängiger jedoch als eben Escapado. Insgesamt ziemlich beklemmende Grundstimmung, Spielereien werden zugunsten eines beeindruckenden Gesamtbilds auf ein Minimum reduziert. Die Tracks reihen sich homogen aneinander, von Sänger Helge gibt es rauen, krächzenden Gesang nahe der Grenze zum Schrei, getragen von düsteren, rohen Gitarrenwänden. Minimalistischer, treibender (Post-)Hardcore der ab und an mal aufs Gaspedal tritt und lyrisch mit oben genannten Bands auf eine Stufe zu stellen ist. Latent aggressiv wird man ab und zu auch melancholisch und hält als besonderes Schmankerl auch die ein oder andere Gänsehautpassage bereit, wie zum Beispiel im vorab veröffentlichten Kentucky“. Gesangliche Höhepunkte sind zwar nicht zu erwarten, die Versuche aber binden sich gut ein und stellen nicht die ganz große Diskrepanz dar, was dem Gesamtwerk aber auch besser zu Gesicht steht. Das ist keine fette Produktion, keine große Effekthascherei, sondern klingt nach ehrlicher Arbeit und macht so auch wirklich Spaß. Den alten Escapado muss also spätestens jetzt nicht mehr hinterhergetrauert werden.

Autor Sascha Schüler
Wohnort Magdeburg
Beruf Student
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
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Kommentare

  1 kommentar

  1. Marco

    Die Band ging irgendwie völlig an mir vorbei – wird nachgeholt!

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