Heaven Shall Burn – Wanderer

Album Wanderer
Musikrichtung Metal, Metalcore
Redaktion
Lesermeinung
7

„He seeks distance to change his perspective/ in freedom and seclusion he arranges his thoughts/ strength and power he regains in natures´s shielding bosom“. So erklären Heaven Shall Burn die Marschroute ihres neuen Albums. Man zieht sich in die schützende Natur zurück, schöpft neue Kräfte, um für die Beschwerlichkeiten des Lebens, aber auch die eigene politische Agenda gerüstet zu sein. Die Band scheint sich dieses Konzept durchaus zu Herzen genommen zu haben. Drei lange Jahre dauerte es schließlich, bis es nun endlich einen Nachfolger zu „Veto“ gibt. Das hat „Wanderer“ hörbar nicht geschadet.

Schon der Albumaufbau ist dramaturgisch sinnvoller und die Platte dadurch kräftiger und epischer geraten. Der Opener „The Loss Of Fury“ leitet mit seiner Wucht und dem atmosphärischen Synthesizer so auch sehr stimmig in das Album ein. Nach etwa der Hälfte der Songs bringt „My Heart Is My Compass“ mit seiner ruhigen Gitarre und den atmosphärischen Natursounds dann eine Verschnaufpause und die Idee des Albums auf den Punkt. Den Schluss macht das schwermütige My Dying Bride-Cover „The Cry Of Mankind“.

Der Rest dazwischen ist dann doch recht typische HSB-Kost. Höchst melodiöse Gitarren, die immer auf zack sind, dann aber in Windeseile auch ein tobendes Moshgewitter herzaubern können. Das filigrane Schlagzeug, das teils ein wenig verspielter wirkt, aber trotzdem noch hinter allem thront. Und schließlich die gewohnt exzellenten hohen Shouts und Growls von Marcus Bischoff. Trotz all der Tradition wirkt das Album insgesamt aber noch etwas melodiöser, tragender und epischer. Dafür sorgen unter anderem längere Songintros und das besonders gute Auskosten ruhigerer Momente. Gnadenlose Brecher wie „You Will Be Godless“, die einem die Eingeweide auf links drehen, findet man nicht.

Inhaltlich bleibt es aber zu hundert Prozent bei polit-historischen Themen und philosophischen Gedankenspielen. Das Lied „Bring The War Home“ ist wohl schon allein wegen seines Titels ein plakatives Beispiel dafür. Es erzählt die universelle Geschichte eines Soldaten, der langsam begreift, dass er eher von der Rüstungsindustrie und Politik ausgenutzt wird, als wirklich für seine Liebsten zu kämpfen und Frieden zu verbreiten. „They Shall Not Pass“ ist einer dieser typischen Songs die ein historisches Thema behandeln und dadurch einen nicht zu aufdringlichen Bezug zur Gegenwart haben. Erzählt wird hier von der Schlacht in der Cable Street, bei der im Jahre 1936 ein breites gesellschaftliches Bündnis einen von der Polizei geschützten Aufmarsch von 3000 Faschisten in London verhindert hat. Der Bezug zur grassierenden Fremdenfeindlichkeit in Deutschland ist wohl mehr als deutlich.

Heaven Shall Burn haben einem mit „Wanderer“ einmal mehr ein Brocken von einem Album vor die Füße geworfen. Der zeigt aber in seinen Feinheiten dann doch etwas mehr Progressivität als erwartet. So wird die Idee des Albums auch musikalisch gut eingefangen. Doch wer sich nicht in die Natur aufmachen will, hat mit der LP die perfekte Symbiose aus Abschalten, Gedanken schweifen lassen und Impulse einholen. Das sogar für lange Zeit, denn schließlich müssen ja die kommenden hundert Jahre zum nächsten Album irgendwie überbrückt werden.

Autor Aaron-Corin Hane
Wohnort Lüneburg
Beruf Student
Dabei seit März 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
Top-Alben Stick To Your Guns - alle Releases seit Hope Division, Black Sabbath - Paranoid, Dream Theater - Train Of Thought, The Beatles - Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band, Parkway Drive - Atlas, Idles - Brutalism
Die besten Konzerterlebnisse Tour Of The Year 2014; Taste Of Anarchy Tour 2015; Summer Breeze 2014; Destruction Derby 2015

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