Herrenmagazin – Das wird alles einmal die gehören

Musikrichtung Indie, Pop, (Post-)Punk
Redaktion
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„Das wird alles einmal dir gehören“, die zweite Ausgabe des Herrenmagazins aus Hamburg. Schlichtes Cover, gehalten in tristem grau-blau, Scherben darauf abgebildet. Einige Assoziationen zum möglichen Inhalt schießen einem durch den Kopf. Blättern wir es einmal durch.

Schon bei den ersten Zeilen fallen einem Referenzbands ein: Herrenmagazin bewegen sich sowohl musikalisch als auch textlich zwischen Bands wie Matula oder Captain Planet auf der einen, aber auch der Hamburger Schule, Kettcar zum Beispiel, auf der anderen Seite. Eine Symbiose aus Indie, Pop und schlicht Punkrock macht deutsche Musik um ein weiteres mal interessant. Die Aufmachung erscheint erst einmal schlicht: Gitarre, Schlagzeug, Bass, Gesang. Klassisches Konzept, ohne Schnörkel oder sonderliche Effekte, aufs essentielle reduziert. Minimalistische Musik, die maximal bewegen soll. Sowohl Körper als auch Kopf. Das ist absolut tanzbar und trotzdem wird man immer wieder stoppen, um auch dem Lyrischen seine Aufmerksamkeit zu schenken. Die Texte sind, natürlich möchte man fast sagen, durchaus kryptisch, trotzdem greifen sie und zerren mit. Warum genau? Das kann man gar nicht sagen. Letztlich bleiben Körper und Geist zwölf Titel lang in Bewegung. Stillstand? Fehlanzeige. Das ist mehr als solide Arbeit mit sehr hohem Wiedererkennungswert. Und doch, manchmal wirkt der Komplex zu vorausschaubar, manchmal lässt das beschränkte musikalische Spektrum interessanten Ausflüchten keinen Platz. Ist das schlimm? Nein, aber doch würde ein bisschen mehr Abwechslung dem ganzen gut tun und eine weitere Facette hinzufügen.

Blättern wir um. Was genau hat die Musik nun inhaltlich zu bieten? Wonach klingt sie? Depression, Aufbruch, gar Freude? Die Antwort ist so simpel wie nichts sagend: Von allem ein bisschen. Der Opener „In den dunkelsten Stunden“ beginnt düster, sinkt in tiefste Tiefen, um einen dann mit dem Chorus „Und ich rette mich über die Berge / Seh meinen Träumen hinterher / Es gibt keinen Platz auf der Erde / Wo ich nicht gerne wär“ nur allzu schnell wieder aufzurichten. Und dieser Rote Faden zieht sich durch die ganze Platte: Man fällt tief, nur um wieder aufzusteigen und zwar in dieser Reihenfolge. Diesen kann man also getrost als eine positive Grundstimmung, die von Herzen kommt, bezeichnen.

Herrenmagazin schließen auf voller Distanz noch nicht in die Spitzengruppe Indie/Pop/Punks rund um Captain Planet auf, doch bereits die nächste Ausgabe könnte am Thron rütteln – und schnell vergriffen sein.

Autor Sascha Schüler
Wohnort Magdeburg
Beruf Student
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
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