Iggy Pop – Free

Album Free
Band Iggy Pop
Musikrichtung Jazz
Redaktion
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Das Stehaufmännchen des Punk fröhnt auf seinem neuen Album „Free“ seiner Liebe zu Jazz und Ambient. „Free“ ist ein Album, das man so von Iggy Pop nicht erwartet hätte. Dabei spielt die musikalische Freiheit auf der Platte eine eher untergeordnete Rolle.

Mit „Post Pop Depression“ hat Iggy Pop es noch einmal allen gezeigt – obwohl der Urvater des Punk niemand mehr etwas zu beweisen gehabt hätte. Klangen die Alben vor seinem 2016er Comeback eher uninspiriert und zum Großteil auch uninteressant, zeigte „Post-Pop-Depression“, das in Kooperation mit Josh Homme entstanden war, zu was der Urvater des Punkrock musikalisch noch im Stande war. Viele hätten es wohl begrüßt und mit Sicherheit hätte es ihm niemand übel genommen, wenn Pop diese Welle weitergeritten wäre. „Free“ bedient aber nichts, was „Post Pop Depression“ ausmacht.

Er selbst sei aber auch gar nicht wirklich federführend bei „Free“ gewesen. „Dies ist ein Album, auf dem andere Künstler für mich sprechen, allerdings leihe ich ihnen meine Stimme,“ sagt Pop über sein neues Werk, das mit einem Titelsong startet, der mehr als sphärisches Intro denn als eigenständiger Song fungiert. „Loves Missing“ lockt da schon mehr aus der Reserve und hätte auch auf dem Vorgängeralbum schon Dancefloors gefüllt.

„Sonali“ hingegen ist einer der Songs, der mit elektronischem Tackern im Hintergrund für den neuen Pop steht. Mit dabei immer jazzige Trompetenparts, die durch Hauptmitstreiter, Trompeter, Komponist und Sound-Designer Leron Thomas ihren Weg aufs Album gefunden haben und sich auf allen Songs des Albums wiederfinden. Aber was wäre ein Iggy-Pop-Album ganz ohne Gitarren? Deshalb wirkt wohl Gitarristin und Filmemacherin Sarah Lipstate (alias Noveller) als weitere tragende Säule an dem ungewöhnlichen Spätwerk Pops mit und verleiht einigen Liedern zumindest ein wenig Rockattitüde.

Der 72-jährige Punk Pop sagt über seine Ambitionen zu „Free“: „Nach Abschluss der Touren, die auf „Post Pop Depression“ folgten, spürte ich, dass ich das Problem ständiger Unsicherheit losgeworden bin, welches mein Leben und meine Karriere viel zu lang verfolgt hatte. Zugleich war ich aber einfach erschöpft. Ich wollte nur noch meine Sonnenbrille aufsetzen, mich umdrehen und fortgehen. Ich wollte frei sein.“ Seine Freiheit zelebriert er dieses Mal nicht mit zum Himmel gereckter Faust: Auf „Free“ wechseln sich Spoken-Word-Passagen, Ambient- und Jazz-Momente mit lebendigeren Stücken, wie dem eingängigen „James Bond“. Über den Pop meint, dass er noch nie so viel Spaß gehabt hätte, einen Text zu singen.

„Free“ ist ein zum Teil kryptisches, zum Teil zusammenhangloses Plädoyer für Freiheit. Nicht jeder Pop-Fan wird mit diesem Album glücklich werden. Dabei geht es Pop nicht um eine musikalische Stilrichtung, sondern um die Freiheit an sich. „Ich weiß, das ist eine Illusion und Freiheit nur etwas, das man fühlt. Aber ich habe mein Leben immer in der Überzeugung gelebt, dass Freiheit das einzige Gefühl ist, das es wert ist, ihm nachzujagen. Es ist alles, was man braucht. Nicht unbedingt Zufriedenheit oder Liebe – aber das Gefühl, frei zu sein. Dieses Album ist mir einfach passiert – und ich habe es passieren lassen,“ erklärt Pop. Gut, dass er seinen freien Geist behalten hat.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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