Immanu El – Hibernation

Album Hibernation
Band Immanu El
Label Glitterhouse
Musikrichtung Post-Rock, Pop
Redaktion
Lesermeinung
7

Immanu El hatten es nicht gerade leicht mit „Hibernation“. Ohne viel Geduld und die finanzielle Unterstützung ihrer Fans wäre die Rückkehr der postrockenden Schweden wohl kaum gelungen. Auf der Reise in poppigere Gefilde lässt die Band dabei jedoch leider eine gute Portion ihrer alten Stärken auf der Strecke.

„Hibernation“ (engl. Winterschlaf) erzählt passenderweise von Niedergeschlagenheit und Rückzug. Die starke erste Single „Voices“ hüllt den Hörer in einen vielschichtigen Soundmantel aus Erstarrung und Hoffnung zugleich. Both my hands are numb and my heart is frozen, you burn, you burn like a fire

In den Texten spielt dabei auch stets der sich erbarmungslos anfühlende Lauf der Zeit eine Rolle („Winter Solstice “). Der Hörer dürfte kaum vergessen, in welcher Situation sich Immanu El in den letzten Jahren befanden.

Ein Gerichtsprozess, bei dem der Band unerlaubter Alkoholausschank bei einem selbst organisierten Underground-Konzert vorgeworfenen wurde, konnte zwar ad acta gelegt werden, kostete Immanu El aber viel Energie, Zeit und Geld. Das finanzielle Problem wurde durch die erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne für gelöst. Die emotionalen Folgen wollen die Herren hörbar mit dem Album verarbeiten.

Musikalisch lösen sich Immanu El jedoch merklich vom Postrock-Sound der vorherigen Alben. Elektronische Elemente, aufgeräumtere Arrangements und eine poliertere Produktion dürfte die Fans der ersten Stunde zumindest erstaunen. Damit gewinnen die Songs zwar an Zugänglichkeit, verlieren jedoch ihre organische Rauheit, die auf dem Vorgänger „In Passage“ noch so unnachahmlich mit dem engelsgleichen Gesang harmonierte. Eben jener Gesang sucht aber nach wie vor seinesgleichen, büßt in der glatten Soundästhetik nur leider deutlich an Ausdruck ein.

Immanu El widmen sich auf „Hibernation“ ihrem immer schon dagewesenen, aber nie so ausgeprägtem Pop-Appeal. Damit verabschieden sie sich zumindest auf Platte vorerst vom Postrock. Dass die Rückkehr der Schweden aber besonders für die Bühnen Europas eine große Bereicherung sein wird, steht freilich nicht zur Debatte.

Autor Lennart Sörnsen
Wohnort Hannover
Beruf Referent Jugendschutz
Dabei seit Juli 2016
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