Imminence – Turn The Light On

Album Turn The Light On
Band Imminence
Musikrichtung Metalcore
Redaktion
Lesermeinung
8

Beim Hören von „I“ und „This Is Goodbye“ könnte man glatt meinen, es mit zwei komplett unterschiedlichen Bands zu tun zu haben. Denn der unbequeme und kantige Metalcore auf dem erstem Album hat nur sehr entfernt mit dem elektronisch durchsetzten und harmoniebedürftigem Rock des Zweitlings zu tun. Hier scheinen zwei Herzen in einer Brust zu schlagen – eines für ungemütliche und kompromisslose, eines für harmonische und eingängige Musik. Gleiches kann man nun auch mit Blick auf „Turn The Light On“ feststellen. Wohlgemerkt integrieren Imminence mit ihrem dritten Album beide Herzschläge in ein Werk.

Eine besondere Rolle nimmt die Violine von Sänger Eddie Berg ein, die Imminence einen einzigartigen Touch verleiht. Zwar hält sie sich meist eher schüchtern im Hintergrund auf, tritt dann und wann aber selbstbewusst aus der Deckung hervor. Wunderbar klingt etwa das Ende von „Room To Breath“, wo sich die Streicher butterweich in die Soundkulisse einfügen und dem sonst eher stürmischen Song plötzlich eine ganz neue Note geben. Besonders gelungen ist in dieser Hinsicht auch „Death Of You“, ein von Streichern untermaltes, dramatisches Zwischenstück genau in der Mitte des Albums.

Passenderweise läutet das Stück die etwas ruhigere zweite Albumhälfte ein. Auf der ersten Hälfte finden sich nämlich nicht zuletzt wuchtige Songs wie „Paralyzed“ oder „Room To Breath“ mit tief wummernden Gitarren, die allen von „This Is Goodbye“ enttäuschten Fans große Freude bereiten dürften. Gleiches gilt für den Umstand, dass Imminence ihre bisher erfolgreichste Single „The Sickness“ aus dem Jahr 2015 mit aufs Album gepackt haben. Begeistern kann aber auch der Opener „Erase“ mit seinem dichten und kraftvollem, von sanften Melodien untermalten Sound.

Leider geht Imminence allerdings zum Ende des Albums hin ein wenig die Puste aus. Denn „Scars“ und „Don’t Tell A Soul“ wirken blass und austauschbar, gerade wenn man sie mit dem zuvor Gelieferten vergleicht. „Wake Me Up“ kommt nicht ohne nervige „Ooh Ooh Ooh“-Gesänge aus und so fällt die zweite Albumhälfte im Vergleich zur ersten ein wenig ab. Dafür endet sie dann aber immerhin stimmungsvoll mit „Love & Grace“, einem zarten und gebrechlichen Klavier- und Streicherstück.

Mit „Turn On The Light” demonstrieren Imminence, dass sie ihren ursprünglichen Sound wohl doch nicht vollkommen über Bord werfen möchten, wie man nach dem Release von „This Is Goodbye“ noch hätte meinen können. Vielmehr entscheiden sich die Schweden für einen gelungenen Mittelweg, der gerne weiter beschritten werden darf. Denn trotz der Durchhänger zum Ende hin, machen Imminence vieles richtig, sodass „Turn On The Light“ ein absolut hörenswertes Album ist.

Autor Joshua Claaßen
Wohnort Goch
Beruf Schüler
Dabei seit Oktober 2015
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Top-Alben Ständig im Wandel, zu meinen Favoriten gehören aber auf jeden Fall: Stick To Your Guns - Diamond, Being As An Ocean - How We Both Wondrously Perish / Dear G-d, The Ghost Inside - Get What You Give, The Amity Affliction - Let The Ocean Take Me
Die besten Konzerterlebnisse Kann ich mich nicht festlegen, Stick To Your Guns und Being As An Ocean sind live aber immer ein absolutes Highlight!

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