In Hearts Wake – Ark

Album Ark
Label UNFD
Musikrichtung Metalcore
Redaktion
Lesermeinung
3.1666666666667

Australische Bands haben keine leichte Ausgangsposition. Alle Touren, die über die Landesgrenzen hinausgehen und notwendig sind, um sich international einen Namen zu machen, sind mit immensem Aufwand verbunden. Freilich hat Australien trotzdem ein beeindruckendes Angebot an Bands, die die Core-Szene entschieden geprägt haben und heute nicht mehr wegzudenken sind. Man denke nur an Namen wie Parkway Drive, Thy Art Is Murder oder Northlane. Natürlich sind das große Fußstapfen, in die es zu treten gilt. Doch der Nachwuchs schläft keinesfalls. Im Melodic-Hardcore-Bereich sorgen etwa Ambleside und Saviour für Aufsehen – und im Metalcore sind nicht zuletzt In Hearts Wake längst dem Status des Geheimtipps entwachsen.

Meeresrauschen, Möwen und sanfter Wind im gleichnamigen Intro offenbaren die Thematik des Albums der Jungs. In Hearts Wake machen keinen Hehl um ihre Naturverbundenheit und den Willen, diese zu erhalten. Metaphorisch arbeiten die Australier mit dem Begriff „Ark“, der die Mutter Erde verkörpert und in gefährliche Schieflage geraten ist. „We’re taking on water / How long do you think we’ll last / Before we have to abandon ship? […] We’ve torn apart this precious ark as fuel for the fire / A charred and blackened future sold to the highest buyer“ („Passage“).

Eindringliche Riffs, entschlossenes Drumming und Refrains, die schnell ins Ohr gehen, verhindern, dass man all das gleich wieder vergisst. Bassist Kyle Erich hat seine Stimme eine gefühlte Oktave nach unten geschraubt, was dem Sound aber keinesfalls schadet. Ganz im Gegenteil ist der Kontrast zwischen Schreihals Jake Taylor und Erichs sanfter und immer noch hoher Stimme zwar immer noch groß, aber deutlich eleganter und angenehmer inszeniert.

Der Kontrast zwischen sanften Wellen und wahren Brechern, zwischen lauen Lüftchen und Orkanen, zwischen wärmenden Lagerfeuern und vernichtenden Waldbränden, wird nicht nur besungen, sondern spiegelt sich auch in der Musik wieder. Das Spektrum reicht vom donnernden „Overthrow“ bis zum sanften, verletzlichen „Arrow“.

Anders als man es von Bandkollegen vielleicht gewohnt ist, ist „Ark“ keine reine Anklage, kein Manifest der Wut und des Hasses gegen die Menschheit, die sich blindlings ihrer eigenen Lebensgrundlage beraubt. Vielmehr wollen In Hearts Wake begeistern – für eine Welt, in der Menschen und Natur im Einklang leben und die Natur nicht bloßer Sklave des menschlichen Profitstrebens ist. In Hearts Wake widmen sich der Natur als Freund und offenbaren ihre tiefe Verbundenheit zu den Wurzeln des menschlichen Lebens. „Run with the rivers / Break with the sea / Now is the youngest that we’ll ever be / Don’t live your life like you’re waiting to die“ („Flow“).

Natürlich wissen auch In Hearts Wake, dass Romantik alleine nicht ausreicht, um unsere Welt zu retten und scheuen sich nicht davor, deutlich zu werden. „It’s time to make way for the new generation / So sick of watching the world’s demise / Go fuck your doomsday, scream it at the sky / This is a call to arms, let me hear your warcry“ („Warcry“).

„Ark“ ist sowohl musikalisch als auch textlich ein unglaublich rundes Album, das einen erfrischenden Blick auf die Probleme unserer Zeit wirft. In Zukunft dürfte man auch in Europa viel von diesen Australiern sehen!

Autor Joshua Claaßen
Wohnort Goch
Beruf Schüler
Dabei seit Oktober 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews
Top-Alben Ständig im Wandel, zu meinen Favoriten gehören aber auf jeden Fall: Stick To Your Guns - Diamond, Being As An Ocean - How We Both Wondrously Perish / Dear G-d, The Ghost Inside - Get What You Give, The Amity Affliction - Let The Ocean Take Me
Die besten Konzerterlebnisse Kann ich mich nicht festlegen, Stick To Your Guns und Being As An Ocean sind live aber immer ein absolutes Highlight!

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