Jimmy Eat World – Integrity Blues

Musikrichtung Alternative, Emo, Indie
Redaktion
Lesermeinung
7

23 Jahre Bandgeschichte. Seit 1993 haben es Jimmy Eat World von der Band mit dem Grammatikfehler im Namen zu den ganz Großen des Emo und Alternative-Rock gebracht. Nach fünf EPs, acht Alben und etlichen Touren hieß es Ende 2014 dann aber zum ersten Mal in all den Jahren: Pause einlegen, Luft holen. Zumindest von der Band – an Solo-Projekten wurde wie selbstverständlich trotzdem fleißig weitergearbeitet. Ein Jahr später haben sich Jim Adkins, Tom Linton, Rich Burch und Zach Lind dann mit dem Produzenten Justin Meldal-Johnson (Paramore, M83) zusammengesetzt und das Projekt “Album #9” in Angriff genommen, welches zu einer weiteren Premiere der Band führen sollte.

Frontmann und Texter Adkins gibt so offen zu, das Schreiben sei ihm während der Pause schwerer gefallen als gewohnt. Er sagt, er habe etwas Neues ausprobieren wollen. Nicht die Probleme sollten von nun an im Vordergrund stehen, sondern die Lösungen. Ihre Musik solle positiver werden. Ein Vorhaben, das durchaus gelungen ist, da “Integrity Blues” im Grunde schlicht warmer Alternative-Rock ist. Die wenigen dunklen Gitarren und härteren Gesangsparts stechen dadurch zwar nur noch stärker hervor, zeigen die Band so allerdings auch aus mehreren Perspektiven – trotz aller Veränderungen sind die Herren nämlich keinesfalls von ihrem Hang zur Vielseitigkeit abgewichen.

Groovig und verspielt klingen Jimmy Eat World, stets mit einer leichten Indie-Note untermalt. Dezente Synthie-Melodien geben dem Sound nun genauso viel wie kleine Spielereien in den Gitarren. Groß aufgemachte Songs wie “Sure And Certain” oder “Get Right” gesellen sich zu klassischen Balladen (“The End Is Beautiful”), kleinen Hymnen (“You Are Free”) oder kitschigem Pop (“It Matters”). Dass das Quartett fleißig an seinem Sound gearbeitet hat, ist zwar unwiderlegbar, sie haben sich deswegen jedoch nicht gleich vollkommen von ihren Wurzeln abgewendet.

2016 sind Jimmy Eat World orchestral und emotional. Sie sind überraschend, manchmal jedoch ebenso vorhersehbar – in der heutigen Pop-Musik gibt es eben scheinbar nichts, was es nicht schon gibt. Trotz kurzer Pause und gewollter Veränderung sind Jimmy Eat World noch immer dieselbe Band geblieben und nicht zuletzt durch Jim Adkins hervorstechende Stimme noch immer einzigartig. Ihren Sound haben sie allerdings an die heutige Zeit angepasst.

Im Herzen der Fans sind Jimmy Eat World wohl noch immer die Emo-Helden der 90er – sie klingen nun allerdings mehr wie eine interessante, moderne Alternative-Band. Schlecht ist dies keinesfalls, man muss sich nur darauf einlassen.

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