Jupiter Jones – s/t

Album Self Titled
Label Columbia
Musikrichtung Indie, Pop, Rock
Redaktion
Lesermeinung
4

„Nun, jeder hat sein Los, und leicht ist keines.“
Wenn man bedenkt, wie lange Jupiter Jones schon in der deutschen Independent-Musiklandschaft rumgurken, dann wird einem fast schon schwummerig. Bereits zu ihren Anfangszeiten in den Jahren 2002 und 2003 spielten die Jungs als Vorband von Muff Potter, Hot Water Music oder den Donots. Nach der Veröffentlichung ihres ersten Longplayers „Raum Um Raum“, der noch deutlich mehr nach Punk klang als die aktuellen Aufnahmen der Band um den äußerst sympathischen Frontmann Nicholas Müller, wurden die großen Bühnen auf Festivals wie dem Southside oder dem Rocco del Schlacko geentert. Mit „Holiday In Catatonia“ schafften Jupiter Jones 2009 dann den medialen Durchbruch: Das Video zu „Nordpol / Südpol“ war nicht selten auf MTV oder Viva zu sehen und die Konzerte ebenfalls nicht selten ausverkauft. Mit dem selbstbetitelten, vierten Album geht es wieder einen Schritt weiter, denn „Jupiter Jones“ erscheint über Columbia Records, das Tochterlabel von Sony BMG. Für die Band heißt das: Mehr Publicity und mehr Geld. Und für die Fans? Eins sei vorab gesagt: Jupiter Jones sind immer noch Jupiter Jones und daran wird sich bis zur Auflösung der Band, die hoffentlich noch lange auf sich warten lässt, auch nichts ändern.
Der Opener trägt den programmatischen Titel „Ansage“, ist aber, so muss leider sagen, auch nicht mehr als das. Zitiert wird hier der großartige Hermann Hesse, begleitet wird er von einer sanftmütigen Untermalung aus Gitarren, Streichern, Synthesizern und der raubeinigen Stimme von Nicholas Müller. Da hätte man sich etwas Eigenes einfallen lassen können, zwar beschreibt Hesses Zeile die Aussage der Band, welche sie mit ihrem neuen Album transportieren möchte gut, aber eben auch nicht mehr.
„Hey! Menetekel“ klingt da schon deutlich anders: „Kennt ihr das? Könnt ihr das fühlen? Wie die ganzen alten Tränen alles nach außen spülen? [..] Und glaubt ihr da wirklich dran? Kommt ihr irgendwann wirklich an?“ Solche Zeilen kennt man von Nicholas Müller, der sich vor Kollegen wie Thees Uhlmann keineswegs verstecken muss und wohl einer der begabtesten Songwriter der Republik ist. „Still“ ist als erste Single und akustische Variante bereits im Dezember veröffentlicht worden und eine bessere Auswahl hätte man wohl kaum treffen können. Der Titel präsentiert sich äußerst eingängig und gefühlvoll, geht also sofort in Kopf und Herz. Und ins Herz, da gehört er auch hin. Selten hat man von Jupiter Jones einen solch einfühlsamen Song erlebt. Zuletzt war „Versickern / Versanden“ vom Debüt-Album der Kombo ein solch feinfühliges Stück Pop-Musik.
„Hier Oben (..Jupp)“ ist so gesehen die Fortsetzung von „Jupp“, dem wohl bekanntesten und traurigsten Stück der Band. Zwar macht „Hier Oben“ dem Song keineswegs Konkurrenz, doch vor Melancholie trifft der Titel trotzdem. „Jetzt erklär ihm mal jemand, wie einer das macht. Woher nimmt man den Mut?“ Aufheiternde Stücke hört auch auf „Jupiter Jones“ selten. „Ein Stück vom Weg“ ist da mit Zeilen wie „Hier kämpft ein krankes Herz gegen gesunden Verstand. Egal ob Ebbe oder Flut, hinterm Meer kommt immer Sand.“ eine Ausnahme.

Nach „Holiday In Catatonia“ hat man Jupiter Jones nachgesagt, dass sie nun keine Musik mehr machen würden, die einem durch den düsteren Alltag hilft und in schwierigen Situationen zur Seite steht. Mit dem neuen Album jedoch verdienen sich Jupiter Jones, trotz einiger Schwachstellen, den Status der „musikalischen Lebensgefährten“ zurück, wenn auch mit mehr Geld in den Taschen und weniger Wut im Bauch. Die Jungs aus der Eifel bleiben einfach eine der besten deutschen Formationen dieser Art, zusammen mit Bands wie Kettcar und Tomte bilden Jupiter Jones die Speerpsitze des gefühlsbetonten, deutschsprachigen Indierocks.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News, Facebook
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

Hinterlasse einen Kommentar