KMPFSPRT – Intervention

Album Intervention
Band KMPFSPRT
Musikrichtung Punk
Redaktion
Lesermeinung
5

„Stopp! Alles auf Anfang! So kriegt ihr nie ’nen Deal! Dieses Rumgeschrei können wir nie im Radio spielen. Ein bisschen mehr wie Bendzko, ein bisschen weniger Punk. Schmeißt den Sänger raus, die Chartplatzierung gibt’s zum Dank.“

KMPFSPRT sind zurück. Zwar nicht mit neuem Sänger, dafür aber mit einem neuen Mann am Schlagzeug: Bereits vor gut einem Jahr nahm Nico van Hamme Max Schreibers alten Platz ein und konnte innerhalb kürzester Zeit die Fans für sich gewinnen. Das neue Album ließ trotzdem noch ein bisschen auf sich warten; erst zweieinhalb Jahre nach dem Release des gefeierten Debüts, „Jugend Mutiert“, stellten die vier Kölner während der gemeinsamen Tour mit Adam Angst zwei neue Songs vor: den Titeltrack „Intervention“ und „Ich hör‘ die Single nicht“. Wieder viel Biss, Wut und genauso viel Ironie. Was bis dato nur niemand ahnen konnte – das neue Album lasst sich tatsächlich mit „Ich hör‘ die Single nicht“ beschreiben. Denn „dieses Rumgeschrei“ kann inzwischen ganz wunderbar im Radio gespielt werden und so glatt produziert wie die Alben des Herrn Bendzko sind, wollen KMPFSPRT die ihren nun anscheinend auch haben.

„Wen interessiert Rassismus, uns geht’s doch allen gut. Wie wär’s mit einem Duett mit Lena Meyer-Landrut?“

Die ESC-Gewinnerin hat es zwar nicht als Gastsängerin auf das Album geschafft, ganz auf eine weibliche Stimme wurde dennoch nicht verzichtet. Und so gesellt sich bei „Wir bleiben wach“ zu Richard Meyer eine Dame hinzu, die dem verhältnismäßig ruhigen Track vermutlich etwas Besonderes verleihen soll, nur letzten Endes ganz und gar nicht zur Stimme des Frontmannes passt. Von den wichtigen Themen sind die Herren aber zum Glück nicht abgewichen – doch was sie sich bei dem grausigen oh-oh-oh-Part am Ende von „Antithese“, einem der textlich stärksten Songs des Albums, gedacht haben, dürfte für immer ein Geheimnis bleiben.

„Es muss verkaufbar sein, es muss austauschbar sein, es muss für alle sein und schrei nicht in das Break hinein!“ […] „Andere Bands machen das doch auch, schmeißt alles raus, was kratzt und raucht.“

Wem KMPFSPRT bisweilen zu hart waren, der kann nun beruhigt sein, denn das Vierer-Gespann klingt inzwischen fast wie eine ganz andere Band. Einflüsse aus den Zeiten der großartigen Fire In The Attic sind nur noch zu erahnen. Das einst prägende Geschrei weicht immer mehr cleanem Gesang und die schicken Melodien verlieren nach und nach jegliche Punkrock-Attitüde und gleiten immer mehr in den Pop-Rock ab („Lichter“, „2014 24/7“). Ist vielleicht kein Weltuntergang, doch KMPFSPRT sind so nun wirklich nicht mehr KMPFSPRT.

Irgendwo hat vielleicht jeder einzelne Song etwas Besonderes an sich, sei es nur ein kleiner Gitarrenriff, besonders markante Drums oder die Texte selbst. Und vielleicht mag es der Band gegenüber auch ein wenig unfair sein, doch ist es Fakt, dass man „Intervention“ (fast) jeder anderen Truppe eher abgenommen hätte als KMPFSPRT. Sie können schlichtweg so viel mehr. Vielleicht wissen sie ja aber auch nur live zu überzeugen.

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