Kmpfsprt – Jugend mutiert

Album Jugend mutiert
Band KMPFSPRT
Musikrichtung Punk, Rock
Redaktion
Lesermeinung
7

Geschraddelte Gitarren, zackige Melodien, rotziger Gesang – geil, dass es sowas noch auf deutsch gibt! Bis auf Ausnahmeerscheinungen wie den werten Frau Potz wurde der melodische Punkrock ja vor allem im englischsprachigen Raum (oder zumindest auf Englisch) wiederbelebt. Grund genug für KMPFSPRT, in den Ring zu steigen und verlorene Refrains wettzumachen.

Nach einem kurzen Kampf auf der EP „Das ist doch kein Name für ’ne Band“ geht’s auf dem jetzt erscheinenden „Jugend mutiert“ nun über die volle Rundenzahl. Der Kontrahent in der anderen Ecke ist weniger der Staat und die Politik – für KMPFSPRT gibt’s genug an Grundlegenderem zu bemängeln: der Sache Mensch. Das Quartett holt dabei weit aus, die wilden Haken nach links und rechts sitzen aber nur manchmal so richtig präzise. Die Texte dreschen auf typische Themen der postmodernen Gesellschaftskritik; da ist nicht viel Pointiertes, was einen unerwartet voll in die Magengrube oder eben die Fresse trifft. Keinen Bock auf Büro-Routine, auf Nestbau, auf die eigene Komfortzone. Finger zeigen auf die Doppelmoral der Mittelschicht, politische Ignoranz, die gierige Finanzwelt. Eine Bestandsaufnahme des Jetzt ist natürlich absolut nicht verkehrt, doch können sich KMPFSPRT textlich nur stellenweise innerhalb der altbekannten Inhalte abheben und sich damit ins Gedächtnis brennen.

„Jugend mutiert“ hat eine drängend-direkte Eingängigkeit, raue Melodien, und eine kritische Stimme – so gesehen die nötigen Zutaten für eine gute Punkrock-Platte. Da hakt’s aber auch irgendwie: Es fehlt das gewisse Etwas an Eigenständigkeit, das Element Überraschung, und auch ein bisschen der Biss. „Jugend mutiert“ kommt deshalb sicher nicht gleich von der Stange, aber streckenweise kann es einen eben auch nicht bei Stange halten. Kmpfsprt sind nur bedingt die Punkrock-Sensation, als die sie an mancher Stelle verkauft werden. Vielleicht ist geerdeter Punkrock im deutschsprachigen Raum 2014 aber auch schon die Sensation an sich.

Autor Enno Küker
Wohnort Tübingen
Beruf Student
Dabei seit Mitte 2011
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews
Top-Alben ...kommen und gehen. Immer gut: Bahamas - Pink Strat // Brand New - The Devil and God are Raging Inside Me // Bruce Springsteen - The River // The Chariot - One Wing // Cigarettes After Sex - s/t // Emery - I'm Only A Man // Every Time I Die - New Junk Aesthetic // Godspeed You! Black Emperor - Allelujah! Don't Bend, Ascend // La Dispute - Wildlife // Taking Back Sunday - Tell All Your Friends
Die besten Konzerterlebnisse Bier in der Hand, Gänse auf der Haut

Hinterlasse einen Kommentar