KMPFSPRT – s/t

Album KMPFSPRT 7"
Band KMPFSPRT
Label Uncle M
Musikrichtung Hardcore Punk
Redaktion
Lesermeinung
7.5

Wir müssen über Köln reden: Besungen wurde die Stadt am Rhein schon unzählige Male, jedoch eher selten in der Art, wie KMPFSPRT es auf ihrer neuen selbstbetitelten Seven-Inch tun. Zwischen die ganzen „Viva Colonias“ und „Du bes Kölles“ schiebt der Vierer seine ganz eigene Sicht auf die Stadt und ihre Menschen. Zehn Songs in zehn Minuten. Bitte anschnallen, die Stadtrundfahrt wird rasant.

„Steig auf, steig auf, steig auf! Jetzt wird es laut!“

Ganze 21 Sekunden braucht der Opener „Ich fahr schwarz“, um „KMPFSPRT“ auf Touren zu bringen. Dabei drückt Dennis Müllers Bass derart überschwängliche Spielfreude aus, dass man schnell erkennt, wo diese Reise hingeht. KMPFSRT zelebrieren Hardcore-Punk mit keifenden Lyrics und einer ungewöhnlich sauberen Produktion – was der Platte aber ungemein gut zu Gesicht steht.

Im zweiten Song „Black Jeans, Black Shirt, BlaeckFooes“ steuert Gitarrist und Sänger Richard Meyer zum ersten Mal ein paar cleane Vocals zu David Schumanns (ebenfalls Gitarre und Gesang) Hardcore-Schreien bei und macht so ziemlich früh klar, dass die Seven-Inch kein reiner Hassbrocken geworden ist. In der Hommage an D.E.A.D.R.A.M.O.N.E.S. laden KMPFSPRT zu einem nächtlichen Rundgang durch ihre Heimatstadt, mit der sie so ambivalente Gefühle verbinden. Denn von einer reinen Liebeserklärung an Köln kann bei diesem Kleinformat keine Rede sein.

Wie spricht man also über eine derartige Hassliebe? Über den Ort, an dem man sich Zuhause fühlt und dennoch einiges zu verändern hätte. KMPFSPRTs Mittel zur Wahl: Aggressiver, zum Teil aber auch sehr eingängiger Hardcore-Punk. Zwischen 8 Sekunden und einer Minute und 45 Sekunden lässt sich alles sagen, was KMPFSPRT ihrer Stadt schon immer sagen wollten. Dabei geht es ums Clubsterben, um neue Straßen und neue Farben, die von der Band als gefährdet angesehene alternative Szene in Köln und was die Stadt dazu beiträgt. Dem Kölner-Anzeiger sagte Sänger und Gitarrist David Schumann, dass sie mit ihrer neuen Platte eine kölsche Identität in die Subkultur tragen wollen. Das macht die Band aber nicht durch platte Durchhalteparolen oder identitätsstiftende Hymnen, sondern indem sie kritisieren, provozieren und hinterfragen. Wie in „I hate Ehrenfeld“ in dem die Band die Umwandlung eines ganzen Viertels besingen.

„Neue Straßen, neue Farben, doch ich erkenn dich nicht. Ich erkenn dich nicht mehr wieder. Sie reißen dich einfach nieder. I hate Ehrenfeld. Dich bekommen wir nie mehr wieder. I hate Ehrenfeld.“

KMPFSPRT bringen auf diesem Werk sehr viel auf den Punkt. Für das, was sie über Nazis in Köln denken, brauchen sie beispielsweise gerade einmal 13 Sekunden – und die Message könnte mit „Nazis raus aus Köln“ nicht klarer sein. Ob sich die Stadt danach gesehnt hat, in dieser Art und Weise besungen zu werden, wird an dieser Stelle nicht geklärt werden können. Dass KMPFSPRT mit diesen zehn Minuten viele Freunde finden werden, steht jedoch außer Frage.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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