Knocked Loose – A Different Shade of Blue

Musikrichtung Hardcore, Metalcore
Redaktion
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Der Bundesstaat Kentucky ist aktuell bekannt für 45.000 zerstörte Fässer eines namhaften Whiskey-Produzenten und ansonsten für eine enorme Menge an frittiertem Hähnchenfleisch. Dort haben sich 2013 Knocked Loose gegründet, um 2016 ihr Debüt “Laugh Tracks” zu veröffentlichen. Keine weitere drei Jahre hat es gebraucht, und schon steht der Nachfolger “A Different Shade of Blue” in den Startlöchern.

Für die neue Platte hat man sich wie schon auf dem Vorgängeralbum Will Putney als Produzenten ins Boot geholt. Der Mann weiß also, welche Knöpfe er – vor allem bei Knocked Loose – drücken muss. Diesmal wurde Putney allerdings viel früher in die Songentwicklung eingebunden. Kann ja nicht schaden.

Die Platte eröffnet “Belleville” und Cole Crutchfield und Issac Hayes stellen gleich zu Anfang klar, dass sie ihren 7-Saitern treu geblieben sind. Auch Bryan Garris keift wie gewohnt los und klingt nahezu eins zu eins wie The Warriors‘ Marshall Lichtenwaldt. Nicht ohne Grund befindet sich übrigens der Coversong “Slings and Arrows” auf der im April erschienenen 7” Single von “A Mistake like Fractures”. Und so rumpelt man direkt los, damit die volle Bandbreite an Windmühlen, 2-Steps und Co abgerufen werden kann.

Jetzt ist es noch gar nicht so lange her, dass die Jungs hierzulande zu bestaunen waren. Wer eines ihrer Konzerte verpasst hat, erhält auf jeden Fall einen guten Eindruck, was live kommenden Dezember anrollt. Auch wenn Songs wie “In the Wall” oder “Road 23” eher im Midtempo-Segment angesiedelt sind, ist durchaus vorstellbar, wie brachial sie auf der Bühne wirken werden. Deathcore Chugs mit häufigen Thrashanleihen wie bei “By the Grave” oder “Guided by the Moon”, zeigen, wessen Geistes Kind die Südstaatler eigentlich sind. Garris’ weitaus persönlichere Lyrics paaren sich mit Arrangements, die irgendwo zwischen Pantera, Obituary und At the Gates pendeln. 

Verstärkung gibt es durch Dying Wish-Sängerin Emma Boster auf “A Serpent’s Touch” und Every Time I Dies Keith Buckley (“Forget your Name”). Verglichen zu Bryan Garris’ Vocals, der stellenweise das Mikrofon an seine Belastungsgrenze bringt, können die beiden leider einpacken. Auch wenn Garris’ Stimme zum Teil anstrengend sein kann, ist er nicht zu unterschätzen und durchaus in der Lage, mit Issac Hayes Growls mitzuhalten.

https://www.youtube.com/watch?v=WYbJC9-h5Z4

Die Presse feiert die Band aktuell als den Höhepunkt der musikalischen Entwicklung innerhalb des Hardcores, was vielleicht etwas hoch gegriffen ist. Zenit ist schließlich da, wo es nicht weitergeht. Dennoch schafft es der Fünfer, musikalische Genres gekonnt untereinander zu mischen und irgendwie aufzufallen. “A Different Shade Of Blue” ist so die logische Weiterentwicklung ihres Debüts und tritt in die Fußstapfen von Bands wie Integrity oder Disembodied.  

Autor Philip Kleinau
Wohnort München
Beruf Techniker
Dabei seit Juni 2019
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