Knuckle Puck – 20/20

Album 20/20
Label Rise Records
Musikrichtung Pop Punk
Redaktion
Lesermeinung
6.5

Pop Punk ist ein umkämpftes Genre und befindet sich seit mehreren Jahren auf dem absteigenden Ast. Von vielen so called Musikkennern längst in die Balanglosigkeit herabgestuft, gibt es nur noch wenige Bands, die auf ganzer Länge überzeugen können. Und nein, das ist keine gewagte These: Heroen wie Blink-182 oder New Found Glory servieren zumeist nur noch durchschnittliche Kost (wenn überhaupt).
Knuckle Puck werden von vielen Genrekennern in den Sozialen Netzwerken als einer der letzten Hoffnungsträger für eine in die Jahre gekommene Musikrichtung bezeichnet, aus der viele feurige Anhänger der ersten Stunde längst herausgewachsen sind, liegt besagte erste Stunde doch nun schon fast zwei Jahrzehnte zurück. „20/20“ heisst der neue und inzwischen dritte Longplayer der Band aus Chicago.

Auf ihrem letzten Album „Shapeshifter“ erinnerten Knuckle Puck bestimmt nicht unbewusst an Taking Back Sunday, Saves The Day oder Jimmy Eat World. Auch „20/20“ kommt mit einer kleinen Prise Emo daher, was bereits die Vorabsingles “What Took You So Long?“ und „Earthquake“ deutlich machten, die irgendwie ein paar „Bleed American“-Momente aufweisen. Allerdings verschieben Knuckle Puck ihren Fokus weg von Reminiszenzen an eben genannte Bands, hin zu Namen wie The Starting Line oder The Movielife. Besonders „RVSP“, „Breathe“ und „True North“ erinnern an eine Phase des Pop Punk, die noch nicht von Party, MTV und American Pie geprägt war.

Zwar driftet „Into The Blue“ dann beispielsweise wieder in poppigere Gefilde ab und erinnert zeitweise an All Time Low, in die Senkgrube des generischen Chartgedudels lassen sich Knuckle Puck dennoch nicht herab. Das Songwriting auf „20/20“ ist abwechslungsreich und an keiner Stelle zu poppig. Natürlich darf man nicht ausser Acht lassen, dass Knuckle Puck bei Rise Records unter Vertrag stehen. Ein Label, welches mit Polar Bear Club oder Make Do And Mend schon einige Bands in den Sand gesetzt hat. Knuckle Puck allerdings passen in das poppige Outlet, denn im Gegensatz zu Labelkollegen wie Crown The Empire oder Issues wird hier kein ultra glatt produzierter Autotune-Genre-Mischmach geboten, sondern Pop Punk, der sich auch in 2020 noch so schimpfen darf.

„20/20“ mag abschliessend nicht ganz an das große Hitgewitter herankommen, welches Knuckle Puck 2017 mit „Shapeshifter“ kredenzten, liefern aber ein überdurchschnittliches Pop Punk-Album ab und einem in die Jahre gekommenen Genre damit ein bisschen so dringend benötigte Lebensenergie.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News, Facebook
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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