Knuckle Puck – Copacetic

Album Copacetic
Label Rise Records
Musikrichtung Pop-Punk
Redaktion
Lesermeinung
5

Wir schreiben das Jahr 1994. In den Kinos der Vereinigten Staaten von Amerika läuft die Fortsetzung zu „The Mighty Ducks“ an: „D2: The Mighty Ducks“, eine Familienkomödie über Eishockeyspieler, die an der Jugendolympiade in Los Angeles teilnehmen und diese selbstverständlich auch gewinnen. Neben starkem Teamgeist und Zusammenhalt ist der sogenannte Knuckle Puck ein weiterer Grund für den Sieg. Die Lieblingstechnik eines neuen Spielers – „schwer, genau zu platzieren, aber treibt jeden Torhüter zum Wahnsinn“.

2011, 17 Jahre nach der „D2“-Kinopremiere, schlossen sich fünf Jungs aus Chicago zu einer Band zusammen und nannten sich genau so: Knuckle Puck. In Interviews nahmen sie zwar dem Bezug zu „The Mighty Ducks“ allen Wind aus den Segeln – schließlich kamen sie durch ein Stick To Your Guns T-Shirt auf die Namensgebung –, aber doch kommt man nicht umher das gewählte Genre mit der Knuckle Puck-Technik zu vergleichen. Denn genauso wie der Eishockey-Puck dabei schwierig zu platzieren ist, ist es auch im Pop-Punk recht kompliziert eine echt Duftmarke zu setzen. Nicht selten klingt vor allem bei diesem Genre nämlich alles ziemlich ähnlich.

Es sei denn natürlich, er ist richtig platziert. Und genau dabei haben die Chicagoer auch schon einige Übung, können sie doch seit ihrer Gründung vor etwa vier Jahren bereits sechs EPs vorweisen. Die letzte EP, „While I Stay Secluded“, erreichte sogar Platz 5 der U.S. Heatseekers Album Chart – gerade für eine so junge Band ganz & gar nicht schlecht. Aus diesem Blickwinkel wirkt es auch gleich ein bisschen weniger eingebildet, wenn man sein Debütalbum „Copacetic“ – „ausgezeichnet“ – nennt.

Verdient hat die Platte dieses unbescheidene Label allerdings nicht vollends. Knuckle Puck machen definitiv Pop-Punk der besseren Sorte. Sie klingen beispielsweise nicht wie Simple Plan oder auch Man Overboard notorisch gleich oder schlachten gar das leidige Thema um die Ex-Freundin aus (wie The Story So Far es sich anscheinend zur Lebensaufgabe gemacht haben). Ausgezeichnet oder gar fehlerfrei ist es aber eben nicht, was Knuckle Puck so bieten – muss es freilich auch gar nicht, um Spaß zu machen. Spätestens bei dem Song „Ponder“ wird dies auch klar, denn in gerade einmal 2:10 Minuten bringt Sänger Joe Taylor mit nur wenigen Worten auf den Punkt, dass die vielen Ecken und Kanten, die das Leben bereithält, vollkommen okay sind: „I’m losing all the faith I have in my ability to breathe / From pondering the second chances or the possibility / Of getting my teeth off this curb while your foot rests easily / On the back of my head / I’d push down harder if it were me / I’ll tell you everything is copacetic / I’ll tell you everything is copacetic.

Neben stimmigen Texten bekommt man obendrein eine kleine Lehrstunde in der so notwendigen Abechslung: Knuckle Puck wissen trotz ihrer noch jungen Jahre, was es braucht, um einen Song oder sogar ein ganzes Album attraktiv aussehen zu lassen. Mit dem Opener „Wall To Wall (Depreciation)“ geht es gewohnt energiegeladen und schnell los, doch kaum hat man realisiert, was da überhaupt gerade geschieht, ist das Ganze auch schon wieder vorbei. Das anschließende „Disdain“ macht jedoch genau dort weiter und läd zudem – genau wie sein Vorgänger – zum Mitsingen und -schreien ein.

Doch wie gesagt, die Bestnote verdient „Copacetic“ dennoch nicht, denn trotz guter Ansätze, sticht nur Weniges hier wirklich aus der Masse hervor. Die Songs variieren vielleicht in sich, im Gesamten gleichen sich jedoch viele noch immer sehr. Einzig „Ponder“, „In Your Crosshairs“ und wegen seiner knapp 8 Minuten Länge Closer „Untitled“ stechen mehr oder weniger hervor. Einen wirklichen Vorwurf darf man Knuckle Puck dennoch nicht machen, den Pop-Punk auch nur teilweise neu zu erfinden ist nun mal kompliziert. Die Band schafft es dafür aber, dass einen die ewig gleiche Leier nicht in den Wahnsinn treibt, das ist schon mal etwas. Und wer weiß, zu was die Fünf in der Zukunft noch im Stande sein werden.

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