Kummer – Kiox

Album Kiox
Band Kummer
Musikrichtung Rap
Redaktion
Lesermeinung
8

Wenn man Träume hat, sollte man sie sich erfüllen. Das dachte sich wohl auch Kraftklub-Frontmann Felix Kummer. Nachdem er mit seiner Band 2017 das Album „Keine Nacht für Niemand“ veröffentlicht hatte, ging es zunächst auf große Tour und danach in eine verdiente Pause. Die nutzte der 30 Jahre alte Chemnitzer, um ein eigenes Album aufzunehmen, einen Plattenladen aufzubauen und eine Solo-Tour anzukündigen. Zwölf Tracks, die er gemeinsam mit Drunken Masters und BLVTH gemixt hat, sind auf „Kiox“, das nach dem Plattenladen seines Vaters benannt ist, gelandet. Ein Mix aus Trap, markanten Basslinien, aber auch melancholischen Melodien.

Textlich hat sich Kummer größtenteils von der Ironie und dem Witz der Kraftklub-Songs verabschiedet. Auf „Kiox“ geht es eher um die ernsten Themen. So rappt er auf „9010“ beispielsweise über seine Jugend und seine Erfahrungen mit Neonazis, von denen er einem wieder begegnet ist: „Dass da wo wir leben / Leute wie wir eben einfach kassieren / Mit dem Mund voller Blut / Den Krankenwagen rufen / Mit Handylicht den rausgeschlagenen Zahn / Auf dem Asphalt suchen / Es war nie ein Kampf / Wir sind immer nur gerannt.“ Diese Kritik gegen Rechts führt er indirekt auch auf dem Song „Alle Jahre wieder“ weiter: „In meinem Haus red‘ ich immer noch so wie es mir passt, jetzt sei hier mal nicht so empfindlich.“

Genau dieser Song thematisiert aber auch die Probleme viele aus der Generation, die Kummer vertritt, sowie die Vorwürfe der Älteren: „Deine Generation ist so unglaublich verweichlicht und schwach / Ich meine, guck dich mal an / Das kann doch nicht dein Ernst sein / Du bist eine einzige Enttäuschung / Ganz ehrlich, da will man sich einfach nur schämen.“ Auch in anderen Tracks auf dem Album beschäftigt sich Kummer mit der Generation Y. Konsumsucht und die daraus resultierende Ausgrenzung („Wie viel ist dein Outfit wert“), Selbstzweifel („Bei dir“) oder auch Depressionen („Es tut wieder weh“) sind nur einige der Themen.

Ironie und Witz sind dem Kraftklub-Frontmann aber nicht komplett abhanden gekommen. Bestes Beispiel dafür ist der Song „Aber nein“, den Kummer mit LGoony und Keke aufgenommen hat. Ein Seitenhieb an alle Möchtegern-Rapper: „Ich hab das schon verstanden, du bist deiner Zeit so weit voraus / Aber dann bring deine Alben bitte einfach in der Zukunft raus / Und nerv‘ nicht alle in der Gegenwart damit / Die Industrie hält dich nicht unten, Bruder du hast einfach keine Hits.“ Das wohl überraschendste Duett ist „Der Rest meines Lebens“ mit Sänger Max Raabe, das aber genau wegen dieser Kombi wunderbar funktioniert.

Mit „Kiox“ hat Kummer sich deutlich vom Kraftklub-Sound emanzipiert. Trotzdem dürften Fans der Band ihre Freude an den Songs haben. Eine stimmige Platte, die eine gute Mischung aus ernsten Themen und ein klein wenig Ironie bietet.

Autor Denise Frommeyer
Wohnort Mainz
Beruf Online-Redakteurin
Dabei seit November 2014
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews
Top-Alben Kraftklub - Mit K, James Blake - s/t, Bloc Party - Silent Alarm,Wanda - Niente, Tomte - Buchstaben über der Stadt, Arctic Monkeys - Favourite Worst Nightmare, Kendrick Lamar - Good Kid, M.A.A.D City
Die besten Konzerterlebnisse Kraftklub, Casper, The Streets, Wanda, Deichkind, Royal Blood

Hinterlasse einen Kommentar