La Petite Mort / Little Death – Disco

Album Disco
Musikrichtung Screamo, Punk, Indie
Redaktion
Lesermeinung
7.6666666666667

Wenn eine Screamo-Band ihr Album „Disco“ nennt, dann lässt das aufhorchen. La Petite Mort / Little Death laden auf ihrem Debüt-Langspieler zum Tanz. Der wird äußerst(!) ekstatisch, definiert das Genre damit zwar nicht zwangsläufig neu – lässt aber einen überaus frischen Wind über die angestaubte Tanzfläche blasen.

Im weitesten Sinne tanzbarer Screamo-Sound hat durchaus Geschichte. So verbauten schon die Pioniere von Orchid in den 90ern vergleichsweise rhythmische Versatzstücke. In jüngerer Vergangenheit bleibt man automatisch bei den Kaliforniern von Comadre hängen. La Petite Mort kommen dagegen aus dem beschaulichen und verschlafenen Rodgau. Im Offenbacher Umland scheint sich über die Jahre einiges an nicht kanalisierter Energie angestaut zu haben. Die bahnt sich jetzt auf „Disco“ aus allen Fugen ihren Weg nach draußen. Anders ist der Cocktail nur schwer zu erklären, den das Trio einem hier um die Ohren bläst:

Man stelle sich vor, die großartigen Merchant Ships steckten ein paar At The Drive-In Hits in ihr eigenes musikalisches Gewändchen. Dann dürfte man dem Sound in etwa so nahe kommen, wie das möglich ist. Denn was La Petite Mort hier vom Stapel lassen, ist so gleichermaßen eigenständig und progressiv wie mitreißend, dass man sich schon zwei Mal die Augen reiben muss. Erstes vollständiges Album der Band? Die kommen aus Deutschland? Das ist eine Gitarre? Und der Typ kreischt bei dem Gefrickel auch noch rum wie die Blood Brothers zu ihren besten Zeiten? Nicht nur mit diesen Fragen im Kopf, kommt man kaum um mehr als das ein oder andere „Wow“ herum, wenn „Disco“ aus den Boxen schallt.

Ob La Petite Mort mit ihrem experimentellen und teils sehr herausfordernden Sound etwas für die großen Bühnen sind, wird sich zeigen müssen. Verdient hat „Disco“ jede Aufmerksamkeit weit über die beschauliche Emo- und Screamo-Szene hinaus jedoch allemal. Für Kenner dieses Mikrokosmos ist „Disco“ sowieso ein Volltreffer. Doch auch wer seinen Hardcore-Punk etwas progressiver mag und die genannten At The Drive-In, Blood Brothers oder auch Refused verehrt, darf guten Gewissens in „Disco“ reinhören.

Autor Sascha Schüler
Wohnort Magdeburg
Beruf Student
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
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