Lana Del Rey – Honeymoon

Album Honeymoon
Label Vertigo
Musikrichtung Pop, Blues
Redaktion
Lesermeinung
6

Kunst ist subjektiv. Sie liegt im Auge des Betrachters. Manche können stundenlang vor einem Gemälde stehen, es interpretieren und seinen Schöpfer mit anderen Künstlern vergleichen. Andere stehen vor einer Leinwand, sehen nur bunte Farbkleckse und wundern sich über den Kaufpreis. Genauso verhält es sich mit der neuen Platte von Lana Del Rey. Die Sängerin selbst kann schon als Kunstwerk bezeichnet werden. Mit ihrem tranceartigen Sound, dem dramatischen Gesang und Textzeilen „I wish I was dead“ erscheint sie verschlossen, unverständlich und undurchschaubar. Und genau dieser geheimsnisvolle, beinahe mysthische Schein, der sie umgibt, macht sie und ihre Musik so spannend. Gerade mal ein Jahr nach ihrem letzten Album hat Lana Del Rey ihren ursprünglichen Sound nun wiedergefunden und überrascht mit einem von vorne bis hinten gut durchdachten Kunstwerk.

„Honeymoon“ ist eine Leinwand voll mit aufeinander perfekt abgestimmten Farben. Eine Leinwand gefüllt mit Formen, die gekonnt miteinander harmonieren und unendlich viele Details in sich bergen. Ein sanftes Geigensolo zieht den Zuhörer in einen Song voller Farben begleitet von Rey’s zartem Stimmchen, das zaghaft bittet „My honeymoon, say you want me, too“. Der Marschrhythmus des Schlagzeugs leitet dann gekonnt über zum schnelleren „Music To Watch Boys To“, der durch einen Chor vielzähliger Lanas mehr Tiefe und Fülle bekommt. Danach werden die Farben gedeckter, die Formen einfacher, denn „Terrence Loves You“ ist eine schöne Klavierballade, hier und da gespickt mit einzelnen Trompetenklängen. Bunter und wilder wird es geht es dafür in „High By The Beach“ zu: Elektronische Töne und ein beinahe gerappter Refrain bringen die Sängerin zurück zu den Wurzeln ihrer ersten Platte und so auch zurück zum Genre Hip Hop.

Mit „Freak“ kommen die Geigen zurück und orientalische Klänge machen dem Titel alle Ehre. Der Gitarrensong „Religion“ ist dagegen eine hymnische Liebeserklärung, bevor „Salvatore“ mit südlichen Flair die bunten Farben zurück auf die Leinwand pinselt. Die beste Ballade des Albums ist „24“ mit melancholischen Zeilen wie „There’s only 24 hours and that’s not enough to lie like you lie or love like you love“. Ganz überraschend endet das Album dann mit dem gut gelungenen Cover „Don’t let me be misunderstood“, das Farben und Formen wieder kunstvoll zusammenführt.

„Honeymoon“ ist ein Album, das jedem, egal ob kunstversiert oder nicht, großen Spaß macht. Die vielen kleinen Details kommen erst nach und nach zum Vorschein. Aber wer sie entdeckt kann sich treiben lassen von den bunten Farben und wirren Formen, die ein Gesamtbild abgeben, das definitiv als Kunstwerk bezeichnet werden kann.

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