Lasting Traces – Elements

Album Elements
Musikrichtung Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
5

Obwohl Lasting Traces keine Unbekannten sind und hierzulande sogar zu den führenden Vertretern des Melodic Hardcore gehören, sind die durch wenig nachvollziehbare Gründe bislang mehr oder weniger an mir vorbei gegangen. Kaum zu glauben, tourten die Jungs aus Freiburg doch schon quer durch Europa, waren in Russland und der Schweiz unterwegs und machten sich dadurch einen bedeutenden Namen in der Szene. Mea culpa, denn Lasting Traces verdienen da weit mehr Aufmerksamkeit.

Mit der aktuellen EP „Elements“ kleiden sich Lasting Traces für knapp sechseinhalb Minuten in ein etwas anderes Gewand, als sie es noch auf ihrem 2011er Album „Old Hearts Break In Isolation“ trugen. Die Songs von damals klingen düsterer und negativer, sie waren „grim“, bitter und verzweifelt. „Elements“ hingegen ist ein Beispiel für den oftmals überraschenden Werdegang einer Band, der sich unweigerlich aus ständiger menschlicher Weiterentwicklung und dem Bruch mit Altbekanntem ergibt. Dieser neue Weg war definitiv der richtige.

Die EP ist mit ihren beiden Stücken „Grasp“ und „Lest We Forget“ ebenso kurz wie kurzweilig, die ersten Sekunden von „Grasp“ sind schon wie ein (liebevoller) Schlag ins Gesicht. Der für Lasting Traces ungewöhnliche Sound überrascht erst und fügt sich nach und nach zu einem harmonischen Klangbild zusammen. Melodische Chor-Passagen und die vermehrten Clean Vocals gehören hierbei zum neuen Konzept der Band. Gar nicht übel, was das Quartett da geschustert hat. Innerhalb kürzester Zeit hat man sich den ersten Ohrwurm eingefangen. Thomas‘ Gesang birgt immer noch so viel Frustration und Leid wie vor der Neuausrichtung, doch die stark im Vordergrund stehenden Melodien sind es, die den Hörer förmlich „wegblasen“. Und das ist wörtlich gemeint, denn man kann kaum still sitzen, sobald der Refrain einsetzt und man als Hörer trotz mangelnder Textkenntnisse die Lyrics sofort mitsingen möchte. Überhaupt, von einer gänzlichen Neuausrichtung kann eigentlich keine Rede sein – eher von einer Erweiterung des Horizonts. Lasting Traces formulieren es so: „Still really happy and satisfied with all we had done so far as a band, we were ready to enter the next chapter in songwriting and music. Our new 7” called “Elements” will show that progress in it’s entirety.“ Wie recht sie haben.

Kann man das noch toppen? Selbstverständlich können Thomas, Fabian, Daniel und Felix das. „Lest We Forget“ ist mindestens genauso eindringlich und bemerkenswert. Der Song strahlt trotz der berührenden Lyrics („All the songs about letting go, felt so ironical when I’ve come to know, all beloved ones drift apart, my beloved one drifts apart.“) eine Frische und Dynamik aus, die man im Melodic Hardcore bisweilen eher suchen muss. Auch spürt man vom treibenden Schlagzeug, wummernden Bass und einwandfreien Gitarrenspiel nach mehrmaligem Hören keinen Sättigungseffekt. Mehr noch als beim vorherigen „Grasp“ fällt hier wieder die Sängerstimme auf, welche kraftvoll und crisp alle im Text verarbeiteten Emotionen spiegelt. Da kann der geneigte Hörer nur neugierig bleiben, wie das Album wohl werden wird. In jedem Fall ist es ein gutes Gefühl, dass Deutschland solche Bands hervorbringen kann.