Lasting Traces – You+Me (Doppelreview & Gewinnspiel)

Album You+Me
Musikrichtung Hardcore, Rock
Redaktion
Lesermeinung
6

Vier Jahre hat es gedauert, bis Lasting Traces ihr neues Album „You+Me“ an den Start gebracht haben. Von dem, was die Band 2011 mit „Old Hearts Break In Isolation“ an den Tag gelegt hat, ist nicht mehr allzu viel übrig – eine Entwicklung, die sich bereits 2013 mit der kurzweiligen „Elements“-EP angebahnt hat. Nicht nur Schlagzeuger, Bassist und ein Gitarrist wurden in der Zwischenzeit ausgetauscht, sondern das Genre auch fast einmal komplett umkrempelt: Eine Metamorphose hin von der kellerfüllenden Hardcore-Band von nebenan zum festivaltauglichen Rock-Act. Doch Kritiker aufgepasst: Gefälliger Alternative-Rock sieht anders aus. Dazu sind Lasting Traces eben doch noch zu sehr im Hardcore verwurzelt.

„You+Me“ ist ein Gemisch aus gekonnt eingespieltem Melodic Hardcore und zuckersüßen Poprock-Songs: Während sich mit „Attraction/Affection“ ein astreiner, fast sogar radiotauglicher Rock-Song mit glasklarem Gesang seinen Weg in den Gehörgang bahnt, lässt „Summer Dress“ balladesk und beinahe leicht kitschig Erinnerungen an den Herzschmerz vergangener Tage wieder aufleben. Dem gegenüber stehen mit den bereits vorab veröffentlichten „Golden Cage“ und „Castles In The Sky“ lupenreine Melodic Hardcore-Nummern wie aus dem Lehrbuch, die von aktuellen Genregrößen wie Hundredth oder Being As An Ocean kaum besser hätten geschrieben werden können. Man merkt, dass Lasting Traces ihr Werk noch immer beherrschen und eben auch, dass die Band sich in den letzten Jahren stark verändert hat – manche mögen gar von einer Weiterentwicklung sprechen: Auf „You+Me“ wird der ungestüme Hardcore der ersten Bandjahre fast komplett durch eingängige, rockige und teils poppige Melodien sowie Refrains verdrängt. Ein zu Anfang doch eher ungewohntes Bild, hat man noch Songs wie „Lake Nowhere“ oder „Blank Refusal“ in den Ohren, die vor einigen Jahren in keiner Melodic Hardcore-Playlist fehlen durften und die man ohne zu zögern in einem Atemzug mit More Than Life oder The Cold Harbour nennen konnte.

Bei diesem neuen, glattpolitierten Sound bleibt natürlich auch etwas auf der Strecke: Es war gerade dieses Raue und Ungestüme in den frühen Songs der Band, welches den Charme von Lasting Traces ausgemacht hat. Auf „You+Me“ wirkt vieles einfach zu glatt, zu gewollt und vielleicht ein bisschen zu durchdacht. Dennoch kann man nicht leugnen, dass den inzwischen größtenteils Wahl-Mainzern das neue Sound-Outfit gut steht und sie besonders in Sachen Songwriting eine gehörige Schippe oben draufgelegt haben. So bleibt „You+Me“ im Ohr und macht vor allem durch den stetigen Wechsel von Geschrei und cleanem Gesang einiges her.

Lasting Traces sind erwachsen geworden: „You+Me“ ist kein klassisches Melodic Hardcore-Album voller Teenage Angst und verlorener Liebe, sondern ein Hybrid aus fast schon stadionartigen Poprock und höchst melodischem Hardcore mit persönlicher Note. Als Fan der Band könnte man dieser Veränderung durchaus kritisch gegenüber stehen. Wer Lasting Traces aber jetzt erst entdeckt, wird die Chance auf den ein oder anderen Ohrwurm haben und vielleicht können die Mainzer ja bald einen ähnlichen Erfolg verbuchen wie Lower Than Atlantis. Die nämlich haben vor ein paar Jahren eine ähnliche Metamorphose durchgemacht und zählen nun zu den großen Rockacts in Großbritannien. Das Zeug dazu haben Lasting Traces ebenfalls – und das nicht erst seit „You+Me“.

(Patrick Siegmann)

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Lasting Traces gibt es bereits seit über sieben Jahren. Nach mehreren kleinen EPs veröffentlichte man 2011 das erste Album. Bereits auf diesem offenbarte die Band aus dem Breisgau ihr enormes Potenzial. Das sensationelle Debüt „Old Hearts Break in Isolation“ hinterließ einen nachhaltigen Eindruck – National wie International. Allerdings wurde es danach wieder ruhiger um die Band. Ganze vier Jahre später hat man nun erst ein neues Album am Start. Dass die Jungs aus dem Breisgau sich in den letzten Jahren nicht auf ihren Lorbeeren ausgeruht haben, bewies auch gleich die erste Single „The Golden Cage“. Am eigenen Sound wurde hörbar geschraubt, mit „You+Me“ will man sich schließlich nachhaltig in der Beletage des deutschen Hardcore etablieren.

Mit „Wildlife“ knüpft der Opener auch gleich an das Potenzial an, das auf„The Golden Cage“ angedeutet wurde. Mit ungeheurer Energie stampft der Song alles nieder und setzt sich samt Refrain direkt im Gehörgang fest. Mit „Dark Matter“ geht es weiter. Geschrei und Gesang wirken hingegen zum Opener aber eher verkrampft. Auffallend sind bereits jetzt die vielen Clean-Passagen. Denn „You+Me“ hat mit dem Vorgänger mal so gar keine Ähnlichkeit. Die Band ist hörbar gereift. Leider ändert das nichts an der Tatsache, dass auf „You+Me“ fleißig bekannte Versatzstücke recycelt werden. Lasting Traces schaffen zu keiner Zeit dem Album eine eigene Note zu verpassen. Zu generisch und zu glatt erscheinen die elf Songs. „Lone Wolf“ erinnert zu Anfang frappierend an A Day to Remember, auch andere Szenengrößen wie More Than Life oder Being as an Ocean scheinen öfters Pate gestanden zu haben. Die stärksten Tracks sind die bereits mehrfach erwähnte Single „The Golden Cage“, der Opener „Wildlife“ und das zur zweiten Albumhälfte zählende „Summer Dress“, das mit großartigen Melodien um die Ecke kommt. Damit gehört es zu den wenigen Songs, wo Lasting Traces versuchen auszubrechen aus ihrem Korsett. Positiv ist hier auch das gute Wechselspiel bei Geschrei und Gesang.

Schlussendlich dominiert aber Ernüchterung. Drei Songs die wirklich Akzente setzen, dass ist einfach viel zu wenig. Der Rest ist zu glatt und man hat man den Eindruck das Lasting Traces mit aller Gewalt die Massenkompatibilität ihrer Songs erzwingen wollten und sich dabei zu sehr an Genre-Kollegen anlehnen. Mehr Mut hätte der Platte besser zu Gesicht gestanden. Auch beim Wechsel zwischen Geschrei und Gesang bremsen sich Lasting Traces hier zu oft selbst und nehmen den Songs den letzten Hauch, Drive und Biss. „The Golden Cage“ oder auch „Summer Dress“ zeigen aber trotzdem auf, welch enorme Qualität bei Lasting Traces schlummert.

(Florian Aberle)