The Menzingers – Hello Exile

Album Hello Exile
Label Epitaph
Musikrichtung Punkrock, Alternative
Redaktion
Lesermeinung
5

Zweieinhalb Jahre nach dem allseits gefeierten „After the Party“ liefern die Menzingers ihr bereits fünftes Album ab. Die Erwartungen an die Band aus Pennsylvania sind bei „Hello Exile“ also vielleicht so hoch wie noch nie. Umso mutiger, dass das Rezept des Vorgängers nicht einfach recycled wurde.

Ungewohnt politisch und deutlich preschen die Menzingers im ersten Song „America (You’re Freaking Me Out)“ nach vorne. Wer nun allerdings ein Anti-Trump-Album erwartet, täuscht gewaltig. Der hilflose Blick auf die politische Situation ist nur eine Facette von „Hello Exile.“
Repräsentativer sind da Songs wie „Anna“, das Highlight auf „Hello Exile“. Ein melancholisches, wie nostalgisches Feuerwerk, das eine in die Brüche gehende Beziehung skizziert. Das Lied macht deutlich, wie sehr sich die Menzingers entwickelt haben. „Hello Exile“ klingt ausgereift und weniger aufdringlich als die ersten Alben – die Instrumente stellen sich gänzlich in den Dienst der Songs. Besonders sticht hier Sänger Greg Barnett heraus, der es sich mit seinen Melodien in amtlichen Höhen wahrlich nicht einfach macht. Das mag für einige Fans der ersten Stunde hier und da ganz schön glatt klingen, führt aber dazu, dass aus den Songs handfeste Hits werden.

Verorten lässt sich der eigenständige Sound irgendwo zwischen Gaslight Anthem, Bruce Springsteen und Against Me!. So auch „Strangers Forever“, eine Art Folgekapitel von „Anna“, der schonungslos das Ende einer Beziehung beschreibt. Ohne Frage wird dieser Song, den man sofort mitgrölen möchte, live besonders gut funktionieren.

Maybe it’s for the better we both stay strangers forever
Maybe  it’s for the best we pretend like we never met

Schonungslos geht Greg Barnett auch mit sich selbst ins Gericht, wenn er in der leicht bluesigen Country-Nummer „I can’t stop drinking“ seinen Alkoholkonsum hinterfragt und seine Hilflosigkeit offenbart. Der Song knüpft wunderbar an „High School Friend“ an, der vom Vollrausch mit einem alten Freund und der Unbeschwertheit einer aufregenderen Vergangenheit erzählt. Diese Coming-of-Age-Story hätte auch hervorragend auf dem Vorgänger-Album „After the Party“ sein können – wenn da nicht dieser resignierte Unterton wäre.

Auf „Hello Exile“ finden sich somit viele Songs, die erstaunlich gut aufeinander reagieren. Die Menzingers schaffen ein Album, das mit düsterer Note die Geschichte von „After the Party“ weitererzählt, aber noch reifer, noch konsequenter und in sich geschlossener klingt. Die Nostalgie-Punks aus Philadelphia haben es wieder geschafft.

Autor Lennart Sörnsen
Wohnort Hannover
Beruf Referent Jugendschutz
Dabei seit Juli 2016
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Berichte
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