Milk Teeth – s/t

Album s/t
Band Milk Teeth
Musikrichtung Pop-Punk, Grunge, Alternative
Redaktion
Lesermeinung
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Und wieder rufen die Neunziger an: Pop-Punk und überdrehte Gitarren zum Tanze vereint! Die Briten von Milk Teeth sind als Support für alles, was nicht bei Drei auf dem Baum ist, ständig auf Tour, und Bassistin/Sängerin Becky Blomfield ist als Letzte der Gründungsmitglieder noch übrig. Gute Vorzeichen, um sich mal so richtig den Kopf über die eigene Band-Identität zu zerbrechen, sind das nicht – und leider hört man das der nun erschienenen zweiten Platte auch an. Milk Teeth haben mit fehlendem Druck und mangelndem Abwechslungsreichtum zu kämpfen, gerade im stimmlichen Vortrag von Aushängeschild Becky. Aber der Reihe nach.

Die meisten Songs auf „Milk Teeth“ zeigen die heftigst vom Grunge inspirierte Band, wie sie auf Nummer sicher geht. Dabei gibt es durchaus Höhepunkte: Wenn sie zum Beispiel in „Destroyer“ nicht vorm Abdriften in sludgigen Noise zurückschreckt, sondern sich vollends darin suhlt und auch Background-Gebrüll als Rückbesinnung auf die guten alten Hardcore-Tage zulässt. Dagegen sind Alternative-Blaupausen wie „Better“ oder „Smoke“ nur halb so spannend.

Ein wirklicher Hit wie das eingängige „Transparent“ ist auch so schnell nicht mehr zu finden. Anständigem Pop-Punk wie „Given Up“ oder „Flowers“ (mit wenigstens einem kleinen Krach-Part in der Mitte) fehlt das nötige Bisschen Inspiration, das gute Songs von großartigen unterscheidet. „Circles“ könnte man, den nötigen Zynismus vorausgesetzt, auch als Avril-Lavigne-Klon mit lediglich drückenderem Schlagzeug und fuzzigerem Bass abtun.

Textlich geht es um (weibliches) Empowerment und Mittelfinger – ungehalten, aber nie wirklich aggressiv, vor allem weil Beckys Vocals auch eher zahm und monoton bleiben. Es wirkt, als hielte eine unsichtbare Macht sie dabei zurück, auch einmal richtig auszurasten, was aber genau das sein könnte, was Milk Teeth so dringend bräuchten – oder aber, sich ganz dem Emo zu ergeben, und das nicht bloß anzutäuschen. An den Instrumenten klappt das mit der Konsequenz zuweilen: Das biestige „Dilute“ wildert eher im Seattle-Sound als im Pop-Punk und hat deutlich mehr Power als das Gros der anderen Nummern, und auch das flotte „Sharks“ dreht die Amps auf Anschlag.

Idee und Konzept, wie sie klingen möchten, haben Milk Teeth sehr klar ausformuliert, die Umsetzung derer aber gelang ihnen bei früheren Singles und der ersten LP „Vile Child“ besser – ganz einfach, weil sie damals durch die Bank die stärkeren Songs geschrieben haben (wer kennt noch „Swear Jar“ oder „Brickwork“?).

Am Ende schunkelt „Wanna Be“ mit angenoisten Powerchord-Arpeggios auf solidem Bass-Fundament die Platte in bester Pixies-Manier ins Ziel. Dort aber warten und winken die stärkeren Vorbilder sowie eine Horde ähnlich gelagerter Konkurrenz-Acts von der Insel: Um weiterhin zu bestehen, müssen Milk Teeth langfristig dann doch wieder das Zähnezeigen lernen.

Autor Ralf Hoff
Wohnort Frankfurt
Beruf Student
Dabei seit Oktober 2018
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