Minus Tree – Individual

Band Minus Tree
Musikrichtung
Redaktion
Lesermeinung
3

Italien ist nicht gerade eine Vorzeigenation in Sachen (Post-)Hardcore in Europa. Zwar kann das Land einige durchaus qualitativ hochwertige Bands vorweisen, allen voran natürlich die Gold Kids und Hopes Die Last, und auch der Nachwuchs ist nicht gerade rar gesät, aber in Mitteleuropa bekommt man wenig aus dem sonnigen Süden des Kontinents zu hören. Minus Tree aus Bari im Südosten Italiens wollen mit ihrer Debüt-EP „Individual“ beweisen, dass sie das nächste große Ding aus dem Land der Pizzabäcker und Pastafabrikanten sind. Ob ihnen das gelingt? „I‘ll remain here. Burnt by sun, blinded by fog.“ heißt es in „Stones“, dem zweiten Song, der auf das gut anderthalb Minuten lange, treibende Intro folgt. Aber schon in den ersten Minuten machen es Minus Tree dem Hörer nicht gerade leicht: Zwar glänzt man durch eine fette und gute Produktion und auch Sänger und Gitarrist Roberto versteht etwas von seinem Werk, aber das Individuelle, was im Titel der EP doch so schön angepriesen wird, fehlt. Zu sehr richtet man sich hörbar nach stilbildenden Genregrößen wie Comeback Kid oder The Ghost Inside. Das ist schade, irgendwie dann aber doch zu verkraften, denn trotz dieser fehlenden Individualität geben Minus Tree ihr Bestes. Während man am Anfang mit „Stones“ noch auf den etwas härteren Pfaden wandert, geht „Goodbye (to the worst)“ schon melodischer zur Sache. Ganz von der fast schon metalartigen Härte aber können sich Minus Tree dann doch nicht entfernen und so verfällt man in der zweiten Hälfte das Songs doch wieder in das alte Schema. Dabei hätte man ausbrechen und damit vielleicht etwas an Eigenständigkeit gewinnen können. Mit „Nothing But Hope“ aber versucht man es dann erneut und es gelingt, mit teilweise postrock-artigen Elementen, altbekanntes hinter sich zu lassen. „Gott sei Dank“ kann man da fast denken, aber vorhalten sollte man der Band dieses Stagnieren auf bekannten Pfaden nicht, man will ja nichts riskieren oder falsch machen mit der ersten EP.
Man kann also gewiss nicht sagen, dass Minus Tree mit „Individual“ etwas falsch gemacht hätten, lediglich fehlt die Eigenständigkeit in den Songs der Band. Da reicht es auch nicht, wenn man mit „Nothing But Hope“ einen herausragenden Track serviert, der sich etwas von den anderen abgrenzt.
So ist „Individual“ ohne Frage eine starke Debüt-EP mit partiellen Schwächen und dann leider doch zu wenig Individualität. Für junge Bands ist es sicher nicht einfach in einer Szene zu bestehen, die ihre festen Größen hat, aber Minus Tree haben einen ersten Schritt auf den richtigen Weg gemacht. Ob es der Band jedoch gelingt sich weiter zu steigern und so die Aufmerksamkeit auf sich zuziehen steht in den Sternen. Hoffen wir aber das Beste, denn aufgrund des vorhandenen Potenzials hätten es die Italiener verdient.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
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Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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