Modern Baseball – Holy Ghost

Album Holy Ghost
Musikrichtung Punk, Indie
Redaktion
Lesermeinung
6

Ganz offensichtlich kommen die textlichen Einflüsse vom Sänger der Band. Gibt es mehrere, die sich dieser Aufgabe bemächtigt haben, erweitert sich natürlich auch das Spektrum der Inspiration. Modern Baseball haben es auf „Holy Ghost“ nach eigenen Angaben so weit getrieben, dass sie eine Split mit sich selber geschrieben haben. Jake Ewald und Brendan Lukens teilen sich so mehr oder weniger gerecht 13 Songs – ersterer vom Tod seines geliebten Großvaters beeinflusst, letzterer von der Diagnose und dem Leben mit einer bipolaren Störung.

Zu einem Bruch führt das allerdings nicht. Modern Baseball klingen auf „Holy Ghost“ durchweg wie eine Band und nicht wie ein Solo-Künstler, der sich irgendwo musikalische Unterstützung angelacht hat. Einziger Hinweis wäre vielleicht die lange Coda von „Hiding“, dem Ende von Jake Ewalds „Seite“.

Sowohl Ewald, als auch Lukens hatten in den Monaten vor und während der Albumentstehung eindeutig ein eher bescheidenes Leben mit mehr Tiefs als Hochs. Textlich merkt man es den beiden mit Zeilen wie „Everyday is all about doing things you don’t want to do, but you’re rewarded you get to wake up“ („Everyday“) oder „I can’t seem to make it all out what’s truths betrayal I find in the heat of the moment. Betrayal, what have I done now. It’s not like me to forgive and move on“ („Apple Cider, I Don’t Mind“) auch sofort an – die Instrumentierung spricht dagegen eine ganz andere Sprache.

Könnten die Zeilen von einem alt-eingesessenen Emo-Liebhaber nicht besser geschrieben werden, sind Modern Baseball an den Instrumenten noch immer im Indie-Punkrock zu Hause. Eingängige Melodien, die fast durchgängig zum Mitwippen einladen und das ohnehin kurze Album gefühlt noch mehr verkürzen, bestimmen die nicht einmal halbe Stunde. Ganz besonders sticht dabei „Wedding Singer“ hervor, der, obwohl an zweiter Stelle platziert, schon beim ersten Hören und ohne Kenntnisse von den übrigen Tracks, sofort zum Highlight taugt.

Einfache, doch wirkungsvolle Melodien, dazu das angezogene Tempo und das immer wiederkehrende Oberthema machen ihn ohne Umschweife zum Ohrwurm vor dem Herrn und lassen „Holy Ghost“ in seiner Gesamtheit fast schon schwach aussehen – aber nur fast. Denn auch generell ist der Repeat-Knopf einfach zu schnell und zu einfach gedrückt. Bei „Note To Self“ wegen der Intensität des Gesanges im Refrain, bei „Breathing In Stereo“, da er wahrscheinlich der Song mit dem meisten Punk-Anteil ist, und beim Closer „Just Another Face“ wohl wegen der herrrlichen dynamischen Entwicklung.

Spannend ist „Holy Ghost“ also zweifellos und sei es nur ob der heimlichen Albumunterschrift, das Album sei eine Split mit sich selbst.

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