Nails – You Will Never Be One Of Us

Band Nails
Musikrichtung Hardcore, Metal
Redaktion
Lesermeinung
7

Oft wirkt Hardcore mit starkem Metal-Einschlag schnell monoton und einseitig. Nicht so bei den Hardcore-Metal-Punks um Nails: Die rennen auf ihrer neuen Platte „You Will Never Be One Of Us“ wieder Genregrenzen ein, als sei es ein Sport. Ein Sport, in dem nur zählt, dass man als Erster über die Ziellinie geht.

Zugegeben: Diese Platte braucht mehr als nur ein oder zwei Durchläufe, bis man das Chaos und die Anarchie einordnen kann. Zehn Songs in rund 20 Minuten verlangen einem alles ab. Nur zwei der zehn Songs kommen über die Zwei-Minuten-Grenze hinaus. Es braucht aber auch nicht mehr. Hier steckt so viel Groove, Wut und Zielstrebigkeit drin, dass man leicht außer Balance gerät. Nails machen sich einen Spaß daraus die Sinne zu betäuben, zu verwirren und auch offensiv anzugreifen. Powerviolence par excellence eben. Das wirkt dann in etwa so harmonisch, wie wenn man versucht tausende kleine Glassplitter mit brennendem Benzin aus dem Gehörgang zu spülen.

Kein Wunder, dass kein Geringerer als Kurt Ballou (u. a. Converge, High On Fire) für diesen aggressiven Sound verantwortlich ist. Aber wer kann bei Nails schon von Verantwortung reden? Die setzen sich einfach über alles was anderen heilig ist hinweg und mixen Punk, Hardcore und Metal, als seien es die Zutaten für ein tödliches Chili der Marke „DirbrennichdieMagenschleimhautdurch“. Da kann es ihnen auch egal sein, ob sie wie Black Breath („Made to make you fall“) einfach mit der Tür ins Haus fallen oder als Geisterfahrer mit dem rasenden Rock’n’Roll von Zeke („Life is a death sentence“) über den Highway brettern. Nails fühlen sich in jedem Genre wohl, so lange die Songs vor genug Kraft strotzen („Violence is forever“). Gitarrist Tomm Jones äußerte sich unlängst in einem Interview zu der Raserei ihrer Musik: „Wir hätten die Songs länger machen und jeden Refrain und jeden Vers zwei oder drei mal wiederholen können, um längere Lieder zu schreiben“. Dabei wäre aber die Wucht verloren gegangen und seine Band definiere sich nun mal über die Extreme und die Aggression. Darum würden sie auch in Zukunft die Wucht so extrem ausfallen lassen, wie es nur möglich ist. Und das ist ihnen gelungen.

„You Will Never Be One Of Us“ ist an Grausamkeit kaum zu überbieten – und deshalb auch eine der bösartigsten Verführungen des Jahres. Das dürfte spätestens jedem klar werden, wenn man bei „Savage intolerance“ zum Tanz aufgefordert wird – denn man dann wie die Stiefmutter Schneewittchens in glühenden Schuhen vollführen darf. Und wenn im überbordenden Finale „They come crawling back“ die Qualen ihren Höhepunkt erreichen, wird einem klar, dass hier jede Erschütterung und jeder Tiefschlag genau so geplant waren. Schon lange nicht mehr so schön unter die Räder gekommen.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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