Nathan Gray / Jesse Barnett Split EP

Album Split EP
Musikrichtung Singer-Songwriter, Acoustic
Redaktion
Lesermeinung
8

“Möchten Sie ein Steak oder zwei Steaks?” – “Kann ich vielleicht beides haben?”. Wer Nathan Gray und Jesse Barnett sind, muss wohl nicht erläutert werden. Grays Band Boysetsfire feiert bereits 25-jähriges Bestehen und Barnetts Tourmaschinerie Stick to your Guns werden im November für zwei größere Konzerte nochmal in Köln und Leipzig gastieren. Aber auch solo sind beide Künstler in der jüngsten Vergangenheit fleißig unterwegs gewesen. Nathan Gray war Anfang des Jahres erst mit seinem aktuellen Album “Feral Hymns” zu Besuch und Jesse Barnett absolvierte Ende 2018 seine erste Solo-Tour durch Europa.

Das sowohl Gray als auch Barnett das Zeug dazu haben, ihre Musik auf ein Minimum zu reduzieren, haben sie bereits in der Vergangenheit unter Beweis gestellt. Diese Split bietet also keine großen Überraschungen, sondern kommt eher dem Wunsch nach mehr nach. Und so teilt man sich den Platz auf der Platte gleichmäßig auf und steuert jeweils drei Songs bei.
“Enough” und “Find me” machen da weiter, wo “Feral Hymns” damals aufhörte. Grays eindringliche Stimme, gepaart mit seiner Gitarre, werden von Schlagzeug und Streichern untermalt, ohne dabei ins Orchestrale abzudriften. Aber genau diese Zurückhaltung betont die Stimmung in seinen Texten noch umso besser. “Brighter” legt, im Vergleich zu den beiden Vorgängern, musikalisch und gesanglich nochmal eine Schippe drauf.  „Von allen Songs auf der EP ist Brighter derjenige, der die größte Transformation erfahren hat und in dem sich am meisten dessen spiegelt, was künftig meinen Sound ausmachen wird“, sagt Gray.

Jesse Barnetts Songs wirken intimer im Vergleich zu Grays. Wer ihn auf seiner Akustik-Tour erlebt hat, weiß, dass seine Stimme einen förmlich dazu zwingt, still zu sein und zuzuhören. Selbst wenn er nur auf Platte zu hören ist, möchte man nicht stören. Den Anfang macht das sphärig untermalte “Amsterdam”. Während Barnett davon singt, wie ihn seine Frau damals in der niederländischen Hauptstadt traf, bekommt man selbst direkt Lust, mit dem Fahrrad die Grachten entlangzufahren und den Alltag kurz hinter sich zu lassen und abzuschalten. Beim Klang seiner Stimme könnte man meinen, er sei jene Art von Kind gewesen, welches sich schüchtern hinter seiner Mutter versteckte. Heute versteckt er sich hinter seiner Gitarre, singt zaghaft über die Liebe in “Hang your Love” oder aufrichtig üben seinen schmerzvollen Verlust in “Stay with me”. 

Entstanden ist eine sehr harmonische Kollaboration zweier Musiker, die auch ohne durchgetretenes Gaspedal und mit ehrlichen und persönlichen Texten überzeugt. Für Fans von Boysetsfire und Stick to your Guns ohnehin Pflichtprogramm, aber auch für diejenigen die es gerne etwas ruhiger mögen und nicht mehr brauchen als eine Gitarre und einer guten Geschichte  

 

Autor Philip Kleinau
Wohnort München
Beruf Techniker
Dabei seit Juni 2019
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Berichte
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