Neberu – Point Zero

Album Point Zero
Band Neberu
Musikrichtung Metalcore
Redaktion
Lesermeinung
6

Zu jeder Jahreszeit gibt es die passende Musik. Im Sommer etwa macht heiterer Pop-Punk deutlich mehr Spaß als blutrünstiger Black Metal, während im Winter gerade die düsteren Sachen prima zum ewigen Regenwetter passen (Schnee ist hierzulande ja doch eher eine Seltenheit). Neberu haben sich für „Point Zero“ genau das richtige Timing ausgesucht. Passend zum stetig rauer werdenden Wetter, präsentieren die Recklinghausener ein Werk voller Selbsthass, Depression und Schizophrenie, oder, wie man es auf Facebook verlauten lässt, „schizophrenic, fucked up, emotional Metal„.

Dazu fahren Neberu eine ordentliche musikalische Bandbreite auf und langweilen bis zum Schluss keine Sekunde lang. Da wären King 810 ähnliche Stellen, an denen man gutturalen Sprechgesang von der Leine lässt. In „Obstructur“ und „Interiority“ hingegen, gibt es in allerbester Whitechapel Manier Growls aus dem Maschinengewehr auf die Ohren. „Selfecution“ begeistert nicht nur mit der gelungenen Kombination aus Klargesang und Shouts, sondern auch mit einer besonders dichten Atmosphäre. Wie ein einsamer Schrei in der Wüste wirkt der sich wiederholende Ausstoß „and there is too much time left to live“, der mit verlorener und verzweifelter Stimme vorgetragen wird. Hoffnung? Fehlanzeige! Heißt es doch zum Schluss eindringlich: „I have to go through hell again, so execute me!“.

Besonders schnell ins Ohr geht das bedrückende „Perversity“. Wie damit umgehen, wenn man vom eigenen Hass fast ertränkt wird? „Am I the devil if I try to break your heart? Is it malice to love it when you cry? Am I evil when I hope that you will die? I am the perversity, so scream for me. I am the perversity.“ Eine Antwort darauf gibt es nicht und die wollen Neberu wohl auch gar nicht geben. Es geht um das Erkunden dieser dunklen Orte, den Weg hinaus müssen andere finden. Einzig „Inferiority“ lässt ein paar Lichtstrahlen zu. „Don’t let the darkness win! What does it mean to be alone? Can I carry on? Don’t let it change your thoughts! Don’t let it bring yourself to nought, time to restart!“ Auch hier ist die Balance zwischen Ruhe und Sturm wunderbar gelungen. „Point Zero“ ist laut und moshbar, immer wieder kurz vor dem Explodieren, oft genug aber auch leise und verletzlich und damit sehr eindringlich.  Möchte man das Album visualisieren, passen dunkle Wolken, Regengüsse und frühe Dämmerung wie die Faust aufs Auge. Für den Herbst beziehungsweise Winter ist „Point Zero“ also wie gemacht!

Autor Joshua Claaßen
Wohnort Goch
Beruf Schüler
Dabei seit Oktober 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews
Top-Alben Ständig im Wandel, zu meinen Favoriten gehören aber auf jeden Fall: Stick To Your Guns - Diamond, Being As An Ocean - How We Both Wondrously Perish / Dear G-d, The Ghost Inside - Get What You Give, The Amity Affliction - Let The Ocean Take Me
Die besten Konzerterlebnisse Kann ich mich nicht festlegen, Stick To Your Guns und Being As An Ocean sind live aber immer ein absolutes Highlight!

Hinterlasse einen Kommentar