Newmoon – Space

Album Space
Band Newmoon
Musikrichtung Alternative, Shoegaze
Redaktion
Lesermeinung
7

Manchmal muss erst etwas kaputt gehen, damit etwas noch viel besseres entstehen kann – So heißt es gerne. Mit Plattitüden kommt man in der Realität zwar selten weit, doch manchmal, gerade in der Musik, macht das ganze retrospektiv durchaus Sinn. Midnight Souls waren eine der besten europäischen Modern Hardcore Bands, genau auf dem Peak der Musikrichtung vor einigen Jahren. Wie das aber häufig so ist, war die Lebenszeit der Band doch arg begrenzt. Und doch: Man hörte auf, als es am besten war. Nächste Plattitüde.

Aus der Asche der Midnight Souls haben sich Newmoon erhoben. Vor über zwei Jahren konnte die Band aus Antwerpen und Ghent bereits das erste Mal auf sich aufmerksam machen: Mit einer kleinen, aber äußerst gelungenen Drei-Song-EP. Darauf zu hören gab es mitnichten Hardcore oder sonstige Anleihen der Vorgängerband. Shoegaze heißt das Zauberwort. Das mag anno 2016 etwas prätentiös klingen, denn der Hype, den diese aufgewärmte Verträumtheit der 90er Jahre momentan erfährt, schlägt im Zuge der an vielerlei Orten betriebenen Back To The Roots-Politik teilweise schon wieder in leichte Abneigung um. So ist das mit den Subkulturen, die Entwicklungen sind selten linear, meist eher zyklisch und was heute in Mode ist, kann morgen schon wieder verhasst sein. Macht ja auch durchaus Spaß mal mit, mal gegen den Strom zu schwimmen.

„Space“ ist dann natürlich auch ein plakativer Name für eine solche Shoegaze-Platte. Doch von alledem sollte man sich mitnichten abschrecken lassen: Newmoon gelingt mit ihrem Debüt-Album nun nämlich der große Wurf. So gut war Shoegaze selten. Egal ob Anfang der 90er, in den 2000ern oder heute – egal ob im Zentrum der Aufmerksamkeit oder gnadenlos ignorierte Randsportart, egal ob im großen Stile Übersee oder in kleinen AZs hier in Europa. Man kann an dieser Stelle natürlich gebetsmühlenartig die Namen My Bloody Valetine oder Slowdive erwähnen, viel trägt das aber nicht zur Einordnung bei. Die Gemeinsamkeiten sind sicherlich klar gegeben: Viel Effekt, langsam-treibende Tempi, einnehmender Gesang – geschenkt. Newmoon gehen muskalisch tiefer, geben sich schwerfälliger und entwickeln einen unaufhaltsamen Sog. Da kommen einem heute natürlich sofort Nothing mit ihrem Faible für flirrende Soundwände in den Sinn, die aber wiederum gerne mal etwas dynamischer daherkommen.

Man sieht schon: Wirkliche Referenzen zu finden, außer eben musikalisch grundsätzlich ähnlich orientierten Bands, fällt nicht sonderlich einfach. Darin liegt ein großes Kompliment für Newmoon. Trotz der momentan durchaus wieder angesagten Musikrichtung sind die Belgier eigenständig, einzigartig und am Ende eben einfach sehr, sehr gut.

Autor Sascha Schüler
Wohnort Magdeburg
Beruf Student
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
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