NOFX – Ribbed – Live in a Dive

Band NOFX
Musikrichtung Punk Rock
Redaktion
Lesermeinung
6.75

Wenn Bands ihre Klassiker als Liveversion neu auflegen, bekommen Fans häufig alten Wein in neuen Schläuchen kredenzt. Handelt es sich dabei auch noch um eine Punkband, werden schnell die ersten Rufe nach Ausverkauf laut. NOFX scheren sich nicht weiter drum und hüllen ihren 1991-er Album „Ribbed“ in ein neues Soundgewand.

Sie wissen einfach immer wieder zu überraschen, diese vier Herrn aus Los Angeles. Für ihre DVD Backstage Passport gingen sie ohne zu proben auf Tour in Länder, die sie zuvor noch nie bespielt hatten, Teile der Band schauen während Gigs auch gerne mal zu tief ins Glas und außerdem nehmen’s die Herren auch nicht immer ganz so genau, wenn’s darum geht, die Töne richtig zu treffen. Fun-Punks nunmal. Umso verwunderlicher also, dass sich die Combo an einen Klassiker ihrer Anfangszeit wagt – und damals ging das Quartett noch deutlich schneller zur Sache. Und das Tempo macht den Herren hörbar zu schaffen. Da muss man schon sehr viel Humor und Leidensbereitschaft mitbringen, um so einen Kracher, den Propagandhis Frontmann Chris Hannah einst stilprägend für die Anfangszeit seiner Band nannte, nach siebzehn Jahren nochmal neu zu vertonen. Wobei Fat Mike ja auch sonst keinen Hehl aus seiner Leidenschaft zu S-M-Praktiken macht. Da dürfte ihn diese Kasteiung nicht sonderlich aus der Bahn werfen.

Auch scheint ihm wirklich was an „Ribbed“ zu liegen, denn er erzählte Stageload im Interview zur Veröffentlichung von NOFX‘ letztem Longplayer „First Ditch Effort” auf die Frage hin, bei welchem Album er im Nachhinein gerne noch am ein oder anderen Rädchen drehen würde, dass er mit der Tonqualität von „Ribbed“ nicht zufrieden sei. Sein Gesang sei vollkommen aus dem Takt. So scheint die Wiederbelebung der etwas angestaubten Fat Wreck Live-in-a-Dive-Serie mit „Ribbed“ mehr Selbstzweck zu sein, als reine Geldmacherei. Viel zu ernst sind auch die Texte von damals, in die der Sänger sehr viel autobiografisches gepackt hat. Und im Hinblick auf Mikes Drogenkonsum sind sie wahrscheinlich aktueller denn je.

NOFX wirken zeitweise in ihren Ansagen fast verbissen, auch wenn sie versuchen ihre Sätze mit Ironie zu kaschieren und jedes gelungene Riff abfeiern, als hätten sie gerade zwei Sixpacks Bier mit einem Rubbellos gewonnen. Es wird aber auch gemotzt, wie beim wenig geschätzten Ska-Song (Food, Sex & Ewe) des Albums. Aber was sein muss, muss sein, und so kommen auch alle 14 Songs aufs Album. Was damals aus Mangel an Geld, Zeit oder einfach Lust nicht geschafft wurde, soll dem Album jetzt gegeben werden. Wobei den Fans, die „Ribbed“ so lieben, wie es ist, mit Sicherheit der Charme des unperfekten, rohen Punk-Diamanten fehlen dürfte. Aber ihre Unzulänglichkeit behalten NOFX auch nach all den Jahren bei. Denn sie sind noch immer Punks, und so endet kaum ein Song ohne Verspieler oder eine blöde Bemerkung. Es geht halt noch immer um Sex, Drugs and Rock’n’Roll. Und bei dem ein oder anderen Satz wird schnell klar, dass man manches Gefasel nicht allzu ernst nehmen darf.

Spielerisch macht wohl El Hefe den größten Unterschied, denn der war bei den damaligen Aufnahmen noch nicht in der Band. Und auch sein Gesang bereichert das Quartett seit jeher ungemein. Zu guter letzt bleibt natürlich noch Fat Mike, der einem in seiner Rolle als Frontmann von NOFX so viel besser gefällt, als wenn er unnötige und geschmacklose Sprüche über die Opfer des Amoklaufs von Las Vegas reißt. Aber auch er hat zu kämpfen, bis das Album im Kasten ist. Denn wirklich besser machen die Jungs das ursprüngliche Album nicht.

Alles in Allem ist „Ribbed“ eine nette Veröffentlichung, die Fans und Neueinsteigern gleichermaßen knappe 40 Minuten Punkrock einer der besten Bands des Genres liefert. Trotzdem lässt einen der Gedanke nicht los, dass diese Platte mehr für die Band selbst, als für ein breiteres Publikum eingespielt wurde. Erfahren werden wir’s wohl nicht – aber wenn interessiert das schon, wenn man zum vierten Mal an einem Tag „Green Corn“, „Cheese/Where’s My Slice“ oder „Nowhere“ lauter dreht. Danach darf’s aber wieder gerne das Original sein.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
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