Nothing But Thieves – s/t

Album s/t
Label RCA Victor
Musikrichtung Alternative
Redaktion
Lesermeinung
6

Sie wurden zwei Jahre nach ihrer Gründung von RCA Records gesignt, im Radio rauf & runter gespielt, waren mit Arcade Fire und Muse auf Tour – und das alles mit gerade mal ein paar Songs in der Hinterhand. Nothing But Thieves sind durchgestartet bevor sie überhaupt etwas zum Durchstarten hatten. Nun sind alle Augen auf das Debütalbum der fünfköpfigen Band aus Essex gerichtet und die Erwartungen – wie könnte es anders sein – groß.

Geboten wird auf dem ersten Blick viel: 16 Tracks auf fast einer Stunde – kann der Traum eines jeden Musikliebhabers sein, aber ebenso schnell auch ungemein anstrengend werden. Bei „Nothing But Thieves“ ist es „leider“ weder das eine, noch das andere. Durchwachsen reiht sich Imposantes und Beeindruckendes an Banales. Das ist jedoch einzig und allein der Musik geschuldet, denn die einzigartige Stimme von Conor Mason ist in jeder Sekunde ein Highlight. Ob laut oder leise, rau oder sanft, maskulin oder beinahe feminin – Mister Mason klingt wie er will. Einfach weil er’s kann. „There’s a blood red on my shirt and it’s shining, shining. There’s a sharp pain from my face, I kinda like it, I like it. ‚Cause I, I just wanna feel something real, just wanna feel something. I just wanna love, I just wanna touch, I just wanna see Something.“ („The Itch“)

Bei „Nothing But Thieves“ gibt es im Bereich des gitarrenlastigen Rock und Grunge nichts, was es nicht gibt. Die Band spielt mit den Genre-Grenzen wie kleine Mädchen mit einem Springseil. Was zunächst ruhig klingt, kann im nächsten Moment wild und ungezügelt daherkommen. Kurz darauf ist dann mal alles düster, fast schon depressiv und im nächsten Moment schlägt der Song in einen explosiven Mix aus Gitarrensoli, starkem Bass und treibenden Drums um.

Aller Aufmerksamkeit zum Trotz ist das Debütalbum der fünf Briten aber eben auch nur das: ein Debütalbum, nicht mehr und nicht weniger. Ein gutes mit Potenzial, ja, aber keines, welches es mit den Alben der Bands aufnehmen könnte, mit denen Nothing But Thieves bereits unterwegs sein durften. Muss es auch gar nicht, den Job kann ja der Zweitling übernehmen.