Off The Hook – The Mess Inside

Musikrichtung Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
7

Manchmal, wenn Videospiele schon eine Weile auf dem Markt sind, bekommen die Fans ein Add-On serviert. Meist ist das ein Grund zu Freude. Fehler werden dann ausgemerzt und es gibt mehr von dem, was schon in der vollwertigen Version gut ankam. Mit etwas wirklich Neuem darf man bei einem Add-On aber nicht rechnen – ist ja nur ein Nachschlag. Off The Hook haben sich zwei Jahre Zeit gelassen für ihr Add-On „The Mess Inside“ zur Vollversion „The Walk“. Und auch hier bekommen die Fans: mehr vom Bewährten, in besserer Qualität, aber mit wenig wirklich Neuem.
Schon der Umfang der neuen Platte deutet an, dass es sich hier um ein Lebenszeichen handelt, nicht um ein Lebenswerk. Wo sich die Berliner bei „The Walk“ für 14 Lieder noch fast eine halbe Stunde Zeit nahmen, werden die vier Akte auf „The Mess Inside“ in sportlichen 325 Sekunden abgehandelt. Erfreulich: Das tut den Liedern gut. Denn dass beim Hardcore gern mit Kürze gewürzt wird, hat sich natürlich auch bis zu Off The Hook rumgesprochen. Unermüdliche Gitarren-Riffs geben wie schon bei „The Walk“ die Richtung vor, während Sänger Ensen den Liedern mit ungeölter Stimme die Atmosphäre einhaucht, die zum erneut düsteren Artwork der Platte passt. Es soll, so hört man, sogar Leute gegeben haben, die sich „The Walk“ nur wegen des Designs der Platte gekauft haben. Die Texte wurden in altbekannter Manier mit der Feder der Unzufriedenheit geschrieben: „You got good ideas, I got good ones too. Isn’t it ironic – you tell me what to do. Fuck this, fuck that, fuck you.“ Solche Zeilen stellen die Sphären der Hardcore-Lyrik zwar nicht auf den Kopf, klingen aber so, als ob hier ehrliche Wut abgelassen werden muss.
Musikalisch folgen alle Lieder einer ähnlichen Struktur, bei der sich der Hörer erst einmal warmwippt, bis mit dem Einsatz des Gesangs das Tempo kippt und die Sache interessanter wird. Paradoxerweise ist es gerade der namensgebende Titel-Song, der trotz – oder aufgrund – seiner 61-sekündigen Kürze am meisten überzeugt. Unterm Strich erweitert „The Mess Inside“  das bisher zwei Alben umfassende Repertoire einer unterhaltsamen Live-Band um ein paar Lieder, die ihr volles Potential wohl erst auf den Bühnen der Republik entfalten werden. Wie gut, dass Off The Hook bis zum Herbst auf Tour sind.

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