Pabst – Deuce Ex Machina

Band Pabst
Musikrichtung Grunge, Indie, Rock
Redaktion
Lesermeinung
7.8333333333333

Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk, dit is Berlin: Die Neo-Grunger Pabst (mit dickem B statt P) haben sich in nur wenigen Jahren eine treue Anhängerschaft erspielt. Und zwar, indem sie ihren Retro-Sound mit genügend Hauptstadt-Hipster-Chic garnieren, um ihn auch denjenigen schmackhaft zu machen, in deren Playlists sonst nicht unbedingt 90er-Relikte wie Nirvana oder Kyuss auftauchen, für die sie eh zu jung sind.

Hier ist es voll okay, statt im Flanellhemd auch im Tanktop zu rocken, gerne auf einer Bühne mit angesagten Acts wie Drangsal oder Leoniden. Das Trio war, anschließend an „Chlorine“ aus 2018, relativ flott mit seinem nun zweiten Album, das live aufgenommen wurde und auf dem eigenen Label erscheint. „Deuce Ex Machina“ muss natürlich auch im Sommer an den Mann gebracht werden, Pandemie hin oder her, denn das Wetter ist gut, das Bier zischt, und frivoler Bubble-Grunge mundet dazu ausgezeichnet.

Der Opener „Machina“ zitiert zwar nicht die Smashing Pumpkins, aber bereitet den Hörer super darauf vor, was kommt: schwere Fuzz-Gitarre durch gefühlte fünfhundert Effektpedale, high-pitched Vocals, tighte Rhythmusfraktion. „Deuce Ex Machina“ liefert R-O-C-K in Großbuchstaben, ohne Spinnweben oder doppelten Boden. Im Opener oder im großartigen „Hell“ justieren Pabst die Feineinstellungen mittlerweile auch gerne mal ein bisschen in Richtung Stoner-Rock, anderswo zu tanzflurfreundlichem Indie/Alternative („Straight Line“) oder gar zu Schweinerock skandinavischer Prägung („Legal Tender“). Als konsequent-krachiges 90er-Rip-Off funktioniert „Fugitive“ besser als die etwas uninspirierte Single „Ibuprofen“. Es hagelt Dreiminüter, bis die Hütte brennt.

Der Spaß ist dabei die Hauptsache: „Useless Scum“ verpönt Selbsthass und Losertum in zumindest im Songtitel bester „I Hate Myself And Want To Die“-Manier und schwankt mit Zeilen wie „I am scum, throw me away“ zwischen Cringeworthiness und Ironie. Im Refrain von „Skyline“, in dessen Musikvideo ein gewisser Max Gruber als Cowboy durch die Spreestadt geistert, verpacken Pabst ihre Eingängigkeit so, dass einem diese nicht wie sonst direkt ins Gesicht springt. Ob das etwa daran liegt, dass er nicht aus viermal derselben, musikalisch identischen Zeile besteht?

„Up The Heat“ lässt die Gitarre wie einen Synthie klingen – es bleibt fraglich, ob es bei den Rock-Puristen Pabst in der späteren Karriere dazu kommen wird, auch wenn es bei vielen Rock’n Rollern zur künstlerischen Selbstfindungsphase ab frühestens der dritten Platte gehört.

Grundsätzlich variieren Pabst ihre Erfolgsformel auf Albumlänge nur minimal. Das Debüt „Chlorine“ bot leicht mehr Abwechslung, konnte auch mal psychedelischer oder balladesker werden. Bei „Deus Ex Machina“ handelt es sich hingegen umso mehr um ein Bauch- statt einem Kopf-Album. Die schnörkellosen Noisepop-Songs sind zwar meistens keine Überhits wie einst der „Skinwalker“ oder „Shake The Disease“, und der Band fällt es mitunter schwer, in der guten halben Stunde vergnügtem Getöse Akzente zu setzen.

Bubble-Grunge aber soll nun keine Raketenwissenschaft sein, und Pabst begeistern mit dem konsequenten Durchziehen ihrer „No Bullshit“-Attitüde. Dem Spaß-Faktor tut diese gewisse Anspruchslosigkeit ohnehin nur bedingt Abbruch: Dosenbier auf, Regler auf elf und im Gummiboot mit Schwanenkopf übers Wasser. Dazu passt „Deuce Ex Machina“ wie der sprichwörtliche Arsch auf den Eimer.

Autor Ralf Hoff
Wohnort Frankfurt
Beruf Student
Dabei seit Oktober 2018
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Berichte
Top-Alben Jawbreaker - Dear You | Elliott Smith - Either/Or | The Smashing Pumpkins - Siamese Dream
Die besten Konzerterlebnisse Black Rebel Motorcycle Club (Luxemburg), Cloud Nothings (Köln), Foxing (Darmstadt) und ganz ganz viele Shows im Exhaus in Trier

Hinterlasse einen Kommentar