Phoebe Bridgers – Punisher

Album Punisher
Label Dead Oceans
Musikrichtung Indie, Singer-Songwriter
Redaktion
Lesermeinung
8

Phoebe Bridgers als Verwandlungskünstlerin zu beschreiben, funktioniert auf gleich mehreren Ebenen. Egal ob Anzug, Pyjama oder Skelett-Longsleeve wie im jüngsten „Kyoto“: Outfit-technisch gibt sich die Kalifornierin ähnlich divers wie in ihrem musikalischen Output. Standen nach dem Debüt-Album „Stranger In The Alps“ zunächst einmal angenehm freundschaftliche Kollaborationen mit den Kolleginnen Julien Baker und Lucy Dacus („Boygenius“) sowie Bright Eyes-Sänger Conor Oberst („Better Oblivion Community Center“) ins Haus, ist es nun endlich Zeit für das zweite Solo Album. Auf diesem hat Bridgers im Vergleich zum Vorgänger nochmals deutlich zugelegt.

Der depressive Unterton ist geblieben, den nicht nur die Texte, sondern auch Bridgers Stimme transportieren. Der Sound aber ist nochmal ein ganzes Stück variabler geworden: Orchestrale Versatzstücke und teils psychedelische Gitarrenspielereien helfen dabei, die teils sehr leicht schwebenden Songs auch auf Dauer passend zueinander ins Bild zu setzen.

Das ganze untermalt die 25-jährige inhaltlich mit großen Metaphern für die kleinen Dinge, mit traumartigen Sequenzen, von denen sie erzählt, die aber in ungemeiner emotionaler Relevanz erstrahlen. Dabei beschreibt sie vor allem auch immer wieder Geschichten vom Aufstehen, statt konsequent hinzufallen – ohne sich jedoch pathetischen Parolen zu bedienen.

Nach dem Intro eröffnet die Songwriterin mit dem unbeschwerten und doch eindringlich rhythmischen „Garden Song“, hangelt sich über das indierock-lastige „Kyoto“ über Baladen wie den Titel-Track oder „Moon Song“ durch ein Album voller kleiner musikalischer Spielereien und überraschend eingesetzter Elemente. So ist beispielsweise „Chinese Satellite“ ein eindringlicher Popsong mit dem gewissen Schuss Bombast, während auch „I See You“ gehörig am Lautstärke-Regler dreht. In „Graceland Too“ wird Bridgers dagegen neben Banjo und Geige von ihren Boygenius-Kolleginnen begleitet.

Und dann verlässt sie die wandelbare Bühne, die sie sich musikalisch aufgebaut hat – und zwar mit einem Knall. Circa bei der Mitte des passend betitelten Endstücks „I Know The End“ setzt die volle orchestrale Untermalung ein und steigert sich hin zum absoluten Klimax. Einige Broadway-Musicals dürften neidisch auf diesen Abgang sein. Er schließt das Album gleichermaßen pompös wie passend ab, da „Punisher“ trotz all seiner kleinen musikalischen Exkurse und Stilwechsel eine erstaunlich homogene Einheit bildet.

Autor Sascha Schüler
Wohnort Magdeburg
Beruf Student
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
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