Quentin Sauvé – Whatever It Takes

Musikrichtung Singer-Songwriter
Redaktion
Lesermeinung
7.5

Quentin Sauvé ist wahrscheinlich kein Mann, der gerne im Rampenlicht steht. Zumindest bei seiner Hauptband Birds In Row verstecken sich die Mitglieder hinter ihren Initialen (wie er hinter dem Pseudonym „Q.“) und vermeiden es, Bandfotos mit ihren Gesichtern zu zeigen. Jetzt wagt sich Sauvé aber doch ins Rampenlicht – und zwar in Gefilde, in denen ihn Fans von Birds In Row wohl nicht sofort vermutet hätten. Kann „Whatever It Takes“ sie überzeugen?

Ganz neu ist ihm das Genre ja nicht: Sauvés Leidenschaft fürs Singer-/Songwriter-Genre hatte er ja immerhin schon mit seinem Nebenprojekt Throw Me Off The Bridge etwas ausgelebt und auch ein paar Alben veröffentlicht. Diese Teil seines Lebens ist aber schon seit ein paar Jahren Geschichte. Jetzt firmiert er unter eigenem Namen. Nur mit Akustikgitarre und seiner Stimme führt Sauvé den Hörer durch neun puristisch gehaltene Songs. Keine komplizierten Gitarrenarrangements, keine gesanglichen Höchstleistungen.

Auf „Whatever It Takes“ stehen die Geschichten im Vordergrund. Lediglich bei „Love Is Home“ lässt er sich von einem Klavier begleiten. Und beim grandiosen Highlight des Albums „Riddled“ gibt es sogar ein Flügelhorn zu hören. Ansonsten bleibt Sauvé seinem Purismus treu. So klingt auch die grandiose Produktion des Albums erdig und authentisch. Sauvé ließ es sich nicht nehmen, selbst an die Regler zu sitzen und zeigt, dass er hierfür ein Händchen hat. Allein „People To Take Care Of“ erzeugt eine schier greifbare Nähe, die glatt an den „Alchemy Index Vol. IV: Earth“ von Thrice erinnert.

Das steht den Geschichten die Sauvé erzählt sehr gut zu Gesicht, denn die sind bedingungslos persönlich. Seine Songs drehen sich um Depressionen („Bad News Bearers“), Mutlosigkeit („Dead End“) und Versagen („Ghosts“). Um viele der Ängste, die jeden von uns von Zeit zu Zeit umtreiben. Die Texte zeigen diesen jungen Mann von einer nahbaren, verletzlichen und schonungslos ehrlichen Seite. Kleine Ausschnitte aus einem Leben, die die gefühlvolle Seite und die Zerbrechlichkeit eines ganz normalen Menschen zeigen. Und alleine dieser Umstand macht „Whatever It Takes“ zu einer ganz besonderen Erfahrung, von der man zwar keine musikalische Raffinesse, dafür aber viel Herz erwarten darf.

Eine Gitarre, ein Mikrofon und Geschichten, die das Leben schrieb. Mehr braucht „Whatever It Takes“ nicht. Mehr will es aber auch gar nicht. Sauvé streckt seine Hand aus und ist bereit sein Innerstes nach außen zu kehren – seine Hand ergreifen muss man allerdings selbst.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
Top-Alben Joanna Newsom - Y's | Propagandhi - Today's Empires, Tomorow's Ashes | At The Drive-IN - Relationship of Command
Die besten Konzerterlebnisse Iggy Pop | ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead | NOFX | Escapado | Propagandhi

Hinterlasse einen Kommentar