Radio Havanna – Veto

Album Veto
Musikrichtung Punkrock
Redaktion
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Punkrock ist ein dehnbarer Begriff. Vollgasmusik a la Casualties, melodische und schnelle Tunes wie ZSK oder eben poppig-rockige Stücke, wie sie Radio Havanna auftischen. Solange sich die rebellische, politische und kritische Art in den Texten wiederfindet, ist die Musik zweitrangig. Die 2002 gegründete Band aus Suhl hat sich in der deutschen Szene längst einen gewissen Namen erspielt und macht aus ihrer politisch betont linken Haltung keinen Hehl. Auch ein Song gemeinsam mit Justin Sane von Anti Flag steht bereits auf der Habenseite, was dem Bekanntwerden sicherllich nicht geschadet hat.

„Veto“ – so heißt nun das mittlerweile siebte Album und Radio Havanna machen da weiter, wo sie vor zwei Jahren mit „Utopia“ aufgehört haben. Poppiger Punkrock trifft auf „Wake Up“-Texte, die jedem klar machen, wohin der Weg nach Ansicht des Quartetts führen müsste. Songtitel wie „Antifaschisten“, „Hass Ohne Verstand“ oder „Freie Radikale“ sprechen für sich.

Als Opener fungiert allerdings mit „Krach“ ein Song über das Touren der Band, der gleich auch verspricht, dass es noch lange weiter gehen soll. Wie der Titel vermuten lässt, geht es hier recht laut und flott zur Sache. „Coole Kids“ haben kein Vaterland“ – das erste politische Statement wartet dann aber schon im sehr melodischen und eher rockigen zweiten Song.

Natürlich ist nicht jeder Song politisch oder handelt von der Band oder den Wurzeln der Mitglieder. Zwar sind dies die Hauptthemen, doch zerbrochene Liebe („Herzschmerzsäufer“) oder der Umgang mit Intoleranz im alltäglichen Leben („Chaoskind“) sind genauso fester Bestandteil dieses Albums wie auf den Vorgängern.

„Antifaschisten“ behandelt derweil eine Freundschaft, die mit der Zeit auseinandergegangen ist – offenbar auf Grund verschiedener politischer Ansichten: „Wir wurden alle als Antifaschisten geboren. Du bist einfach falsch abgebogen und dann hab‘ ich dich verloren. Wir wurden alle als Antifaschisten geboren. Ich frag mich seit Jahren schon, wann ist dein Herz erfroren?“ Auch rechte Gewalt wird selbstverständlich thematisiert („Hass Ohne Verstand“), wie an sich alle aktuellen Problemthemen. Glücklicherweise verpacken Radio Havanna ihre Sicht der Dinge nicht in stupfes Parolengedresche, sondern fabrizieren verständliche und gute Texte.

„Veto“ liefert das, wofür Radio Havanna seit Jahren stehen: Politische Lyrics, aber auch Songs über Themen wie Freundschaft, Liebe und Vergangenheitsbewältigung zu meist poppigem Punkrock, der aber zu den gegebenen Anlässen rabiater und lauter werden kann. Musikalische Weiterentwicklung sucht man vergebens, doch die Suhler fahren mit ihrem Stil recht gut. Wenn sie weiterhin diese Qualität liefern, ist auch die relative schnelle Abfolge neuer Musik kein Problem.

Autor Tobi van de Wildmannen
Wohnort Tacherting
Beruf Monteur (Mobilfunk)
Dabei seit September 2016
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