Reason To Care – Dear Liv Ivy

Album Dear Liv Ivy
Musikrichtung Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
3

„Love me, like no one has ever hurt you before“. Hate me, like I am acid rain. Hold me, like a mother holds her child. Save me, like a sailor saves his boat. „Love me. Hate me. Hold me. Save Me“
Nachdem sich Reason To Care förmlich den Arsch abgetourt haben sind das die Worte des Prologs, mit dem sie ihr erstes Album, „Dear Liv Ivy“ eröffnen. Bereits mit ihrem Debut „Farewell! I am longing for home“ haben sich die Jungs aus Brandenburg in die Lyric-Spitzengruppe deutscher Hardcore-Bands katapultiert: Man ist emotional, doch nie weinerlich, die Texte sind düster und verzweifelt, wirken dabei aber doch nie zu pathetisch. Und so setzt man seinen Weg nun mit „Dear Liv Ivy“ fort. Das Intro ist so emotional und gleichzeitig überzeugend, dass es direkt fesselt. Es eröffnet einem den Weg in ein Album, das durchweg mitzureißen weiß. Durch seinen konzeptartigen Aufbau in Form eines Briefes an eine imaginäre Person wirkt es sehr persönlich, jede Frage, jedes Problem, jede Emotion wirkt wirklich, greifbar. Immer wieder scheinen kleine Hoffnungsschimmer durch diesen düsteren Dickicht, doch hat man kaum das Gefühl, dass sie wirklich durchbrechen können. Zu groß scheint die Verzweiflung, der Weltschmerz und die Suche nach Antworten. Antworten auf Fragen, die Sänger Karsten mehr als überzeugend herrausbrüllt. „Don’t you care when they say „Death would be better than this.“?” klingt es am Ende von „Chrystals and Glass”, „Where is your empathy? Where is your compassion?” in „Chronicles” oder „Why do we love the people the most who turn away from you?“ in „Dreary Fall”. Dabei wird das Album von Song zu Song verzweifelter. Die ersten Worte in Dear Liv Ivy versprühen gar noch Hoffnung: „I can feel you. Even if an unsound wooden bridge disconnects us since 22 years.” Doch soll diese nicht bis zum Ende halten. Zwei mal wird Liv Ivy noch persönlich angesprochen und das klingt bei weitem negativer: „Dear Liv Ivy you will never be my valentine.“ („Gold Dust“) / „Dear Liv Ivy, I can’t feel you anymore.” („At Sea”), nach letzterem folgen im Epilog wieder die Worte des Intros.
Reason To Care haben ein Album auf die Beine gestellt, das den Weltschmerz förmlich einfängt und, um bei dem Konzept des Briefes zu bleiben, zu Papier bringt. Musikalisch unterstreicht man diese Ambitionen in passender, manchmal aber vielleicht etwas zu eintöniger Art und Weise. Trotzdem kann „Dear Liv Ivy“ vollends überzeugen und gehört zur absoluten Speerspitze deutschen Hardcores.

Autor Sascha Schüler
Wohnort Magdeburg
Beruf Student
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
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