Silverstein – A Beautiful Place To Drown

Label UNFD
Musikrichtung Emo
Redaktion
Lesermeinung
0

2020 ist für Silverstein nicht einfach nur ein weiteres Jahr, denn immerhin feiert das Quintett heuer 20. Jubiläum – und wie ließe sich dies besser feiern, als mit einem neuen Album. So heben die Kanadier „A Beautiful Place To Drown“ aus der Taufe, oder besser gesagt aus dem Jungbrunnen, denn diese Scheibe wirkt wie eine extra Portion Botox.

„I keep chasing bad feelings. I keep breaking down and never deal with it. Drown, cuz I don’t wanna swim. I’m good with bad habits.“

So startet der Opener „Bad Habbits“ und wirft gleich zu Beginn von Album Nummer 13 die Frage auf, ob das jetzt noch Pubertät oder tatsächlich eine Revolution darstellen soll. Wobei man nach mehrmaligem Durchlauf schleichend zu ersterem tendiert. Auch musikalisch präsentieren sich Silverstein keinen Tag gealtert, viel mehr hat man das Gefühl, dass die Band noch ein paar Jahre runterschrauben wollte, so arglos und poppig wie einige Nummern klingen.

Einen guten Vorgeschmack wo die Reise hingeht gab bereits das vorab veröffentlichte „Infinite“ auf dem Underoaths Aaron Roderick Gillespie zumindest einem Emocore-Album würdige Growls verleiht – wenn auch nur im Hintergrund. Sonst ist die Nummer eher etwas zum Fremdschämen als Abfeiern. Leider geht es mit dem darauffolgenden balladeesken „Shape Shift“ auch nicht wirklich bergauf. Blutleer und uninspiriert versuchen Silverstein ihre kunterbunt durchgemixten Nummern zum Zünden zu bringen, dabei reiht sich aber ein Rohrkrepierer an den nächsten.

Vielleicht können es die weiteren Gäste ja noch richten? Denn da sind ja noch Caleb Shomo (Beartooth, ehem. Attack Attack!), Rapperin Princess Nokia, die kanadische Dient-Band Intervals oder Pierre Bouvier (Simple Plan). Aber selbst diese bunte Palette an Gastgesängen bringt nicht viel echte Farbe auf „A Beautiful Place To Drown“. Denn dieses Album hat so viel Pop-Appeal, dass die überproduzierte Eingängigkeit jede kleine Kante, jeden kleinen Gitarrenausflug und jede noch so harte Eskapade glatt hinweg bügelt.

Wer jetzt ungläubig die Stirn in Falten wirft, dem sei eine Hörprobe von „Say yes“ empfohlen. Und nein, dieser Song ist nicht für den Soundtrack von American Pie (ja, dem ersten Teil) entstanden. Hier wird derart blumig dahingedudelt, dass man sich fragt, ob sich hier ein Song einer Pop-Punk-Band auf die Platte geschlichen hat. Und wie passt das jetzt zum Rest der Platte? Eben, gar nicht. Silverstein tanzen hier auf derart vielen Hochzeiten, dass man sich hin und wieder fragt, ob es sich hier nicht um ein neues Album, sondern gar um eine Werkschau gespickt mit B-Seiten und Covers handelt. Hätte zum 20. Geburtstag ja auch ganz gut gepasst.

Mit Botox ist das so eine Sache: Die einen stehen drauf, die anderen finden’s einfach nur daneben. Auf „A Beautiful Place To Drown“ macht eindeutig die Menge das Gift. Und da möchte man Silverstein einfach nur empfehlen, fürs nächste Jubiläum wieder die alten Platten rauszukramen und sich ein wenig Inspiration aus den Anfangstagen zu holen. Mancher hätte es ihnen zum 20. eher gewünscht.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
Top-Alben Joanna Newsom - Y's | Propagandhi - Today's Empires, Tomorow's Ashes | At The Drive-IN - Relationship of Command
Die besten Konzerterlebnisse Iggy Pop | ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead | NOFX | Escapado | Propagandhi

Hinterlasse einen Kommentar