Single Mothers – Through A Wall

Musikrichtung Punkrock, Post-Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
7.6666666666667

Tosendes Klatschen, gellende Pfiffe, die begeisterte Menge johl…- „Shut UP!“

Kein Applaus für nichts und niemanden bei den Single Mothers. Der Opener „Marathon“ nimmt Anlauf ohne Atemholen und rast (selbst-)destruktiv getrieben geradewegs der Wand entgegen. „Through a Wall“ ist der ohne Vorankündigungen veröffentlichte dritte Langspieler der kanadischen Misanthropen und lässt keinen Stein auf dem anderen.

„Pace Yourself“ rät Frontmann Drew Thomson sich bei seinem beschwingten Indie-Projekt The Drew Thomson Foundation noch selbst. Während sein neues Nebenprojekt Zurückhaltung postuliert, haben es die Single Mothers mit Zügelung jetzt noch weniger. „Through A Wall“ ist auf Krawall gebürstet und berserkert in 33 Minuten durch 14 Songs. Die Drums dreschen in waghalsigem Tempo und mit Doublebass-Einlagen alles kurz und klein, die Gitarren rattern gnadenlos von Riff zu Riff. Keine Zeit für Melodien in „Catch & Release“, „Web“ oder „Signs“ – stattdessen Highspeed-Strophen und brachiale Breakdowns. Thomson keift, rotzt, redet sich in Rage: Obwohl, oder gerade weil, Thomson privat jetzt kürzer tritt und die Finger von der Flasche lässt, kommen seine Mitmenschen – und er selbst – auch mit ganz nüchternem Blick nicht gut weg.

Nach den ganzen Tempo-Tiraden kommt die wehmütige Resignation mit „Stoic/Pointless“ diesmal schon früher als die Schlusstracks als auf den Vorgängern – genau in der Mitte. Song Nummer sieben nimmt das Tempo und den Härtegrad raus und ist ein Highlight des Albums: ein herrlich süffisanter Track, in dem Thomsons mit ätzender Stimme abgelieferter Zynismus vor den zurückhaltenden Palm-Mute-Akkorden und einem melodischen Chorus besonders gut hervorsticht und stichelt.

Lange halten sich Single Mothers hier aber nicht auf und greifen ab „Web“ wieder voll an. Der Song gewordene 17-Sekunden-Urschrei „-“ symbolisiert die Stimmung von „Through A Wall“  wahrscheinlich am ehesten: Tiefe Growls zu einem Frickelriff, das Every Time I Die auch nicht schneller hätten spielen können. Die Produktion ist schön dreckig, laut und schneidend; der Spirit ist eher der ihrer ersten EP – wobei eine eventuelle Kontinuität oder irgendwelche Markenzeichen bei den Single Mothers sowieso schwer nachzuweisen sind, wenn die Mitglieder bei jeder Albumaufnahme komplett wechseln.

„Through A Wall“ ist wesentlich geradliniger als sein Vorgänger „Our Pleasure“ – das ist an sich spannend, schlägt aber mit etwas einfallslosen Songs wie „Switch Off“ nicht immer ein.  Aber, Drew Thomson sagt es schon selbst in „Dog Parks“: „It’s easy to be miserable when you’re waiting too long for your Macchiato“. Die Wartezeit lässt sich mit dem insgesamt kurzweiligen „Through A Wall“ super überbrücken, versprochen. Man ist ja eigentlich auch nicht besser als die anderen in der Schlange – aber mit Drew Thomson steht man schön abschätzig drüber. Mitunter ungerechtfertigte Selbstgerechtigkeit, das können die Single Mothers super.

Autor Enno Küker
Wohnort Tübingen
Beruf Student
Dabei seit Mitte 2011
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Top-Alben ...kommen und gehen. Immer gut: Bahamas - Pink Strat // Brand New - The Devil and God are Raging Inside Me // Bruce Springsteen - The River // The Chariot - One Wing // Cigarettes After Sex - s/t // Emery - I'm Only A Man // Every Time I Die - New Junk Aesthetic // Godspeed You! Black Emperor - Allelujah! Don't Bend, Ascend // La Dispute - Wildlife // Taking Back Sunday - Tell All Your Friends
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