SoKo – I Thought I Was An Alien

Band SoKo
Label Warner
Musikrichtung Indie, Folk
Redaktion
Lesermeinung
6

Der Seelenklempner ist wieder unterwegs. Heute in Person einer jungen Dame aus Frankreich, mit dem schmucken Namen Stéphanie Sokolinski. Die gute Frau hatte zwar Anfang 2009 der Musikkarriere nach sage und schreibe einer Selfmade-EP schon den Rücken gekehrt, aber da dieser Entschluß in etwa so lange wie die vorangegangene Laufbahn hielt, nämlich bis August des selbigen Jahres, erscheint jetzt, im offiziellen Jahr der großen Comebacks/Reunions ihr Debütalbum „I Thought I Was An Alien“. Da frohlockt doch der Zeitgeist! Auf dem Album selbst geht’s dafür nicht immer fröhlich zu. „You will discover me, through my songs. That my heart breaks, and fears, and depression” Erster Song, erste Zeile, Marschroute glasklar: Das hier ist ihr Leben, gepackt in zwölf Songs und das dreht sich leider nicht nur um die heißgeliebte vegane Eiscreme. Frisch verliebt sein, sich fühlen wie in einer Euphorieblase und kurze Zeit später der absolute Tiefpunkt gepaart mit der Frage: Warum eigentlich immer ausgerechnet ich? Besungen haben das schon Abertausende; SoKo sticht trotzdem heraus, ganz einfach weil sie nichts zwischen ihre Songs und ihre Gefühle stellt. Intimer geht’s kaum; da darf der Schreiberling durchaus mal Brocken wie Mumford & Sons in den Raum werfen. Mit seltsamen französischem Akzent zwar und ohne den ganz großen Folkbombast, aber nicht selten mit ähnlich großer Dringlichkeit. So dramatisch wie die Briten klingt „I Thought I Was An Alien“ allerdings dennoch recht selten. „Treat Your Woman Right“ kommt da noch am nächsten, aber der Tenor ist doch eher folkig-leicht, ohne das ein „No More Home, No More Love“ seine Dramatik gänzlich einbüßt; es klingt nur einfach nicht so todtraurig wie sich der Titel liest.
Für diesen Cocktail sorgt natürlich ihre eigentümlich schüchtern und trotzdem recht nachdrückliche Art. Wirklich bitter schmeckt dieser eigentlich nur dann, wenn ihre auch vorhandene kindische Seite Überhand nimmt. Bei „You Have A Power On Me“ oder „Happy Hippie Birthday“ sei ihr jedenfalls eine Riesenportion ihrer eiskalten Leibspeiße wärmstens empfohlen, hauptsache der leidige Babysingsang möge schleunigst aufhören.
Da die Stellen aber zu überstehen sind und der Rest des Albums für den Ausflug ins Kinderparadies ja doch entschädigt, darf man guten Gewissens ein weiteres schönes Album zur großen bunten Palette an Folkplatten hinzufügen. Als großes Fragezeichen verbleibt nur noch das Rätsel ob’s auch einen Nachfolger gibt, schließlich handelt die gute Frau offenbar in allen Lebenslagen äußerst emotional.

Autor Benjamin Fischer
Wohnort Frankfurt
Beruf Redakteur
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, Redigat
Top-Alben The Gaslight Anthem - The '59 Sound / The National - High Violet & Trouble Will Find Me / Bon Iver - Bon Iver
Die besten Konzerterlebnisse The National (Tanzbrunnen)

Hinterlasse einen Kommentar