Soul Control – Bore Core

Album Bore Core
Musikrichtung Hardcore, Post-Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
6

Soul Control sind in diesen Tagen wohl eine der unterschätztesten Bands im modernen Hardcore. Klar, jeder kennt die Band aus Providence, Rhode Island, nicht zuletzt durch die Touren mit Ritual und jüngst auch Verse durch Europa. Aber Euphorie? Wenn es um Soul Control geht, dann erlebt man diese selten. Zu progressiv, zu frikkelig kommt der Hardcore von Soul Control daher. In Zeiten, in denen Bands wie Trapped Under Ice oder Your Demise ordentlich Krieg vor der Bühne anzetteln und sich die Riffs nur so um die Ohren hauen, da veröffentlichen Soul Control über Bridge 9-Records eine fünf Song starke EP mit dem Titel „Bore Core“. Und dieser Titel ist äußerst passend gewählt: Moshkids wird dieser Hardcore zutiefst langweiligen. „You don‘t have to be afraid of someone moshing around during our songs. So step closer, we don‘t have these parts.“ sagte Sänger Rory erst kürzlich auf einem der zahlreichen Konzerte mit Verse.

„Bore Core“ klingt zu Anfang noch typisch nach Rode Island: Schnell und rau präsentiert sich der Opener „Appetite“, ganz im Stile von Bands wie Verse. Hardcore mit Messege, mit Herz und Hirn am rechten Fleck. Beim nachfolgenden „Headtrippin“ aber geht es für Soul Control schon in eine andere Richtung, die sich mit „Ungly“ und „Anxious“ noch mehr manifestiert: Soul Control sind eine progressive Band, die immer wieder über den Tellerrand blickt. Während „Ugly“ durch ein starkes Gitarrensolo glänzt, kommt „Anxious“ ganz shoegaze-like daher. Das klingt frisch und ist es auch. Das abschließende „Reek“ setzt dann noch ein melodisches I-Tüpfelchen auf „Bore Core“ und wer sich diese EP digital kauft, der bekommt auch noch „I Hate Myself And Want To Die“, ein Nirvava-Cover, dazu. Dieses Cover verdeutlicht, was für eine Bedeutung Nirvana für Soul Control und. auch hörbar im Verlauf der Bore Core EP, für ihre Musik haben. Vor Augen halten sollte man sich auch, dass Soul Control diese EP gemeinsam mit Freunden in ihrem eigenen Studio zusammen aufgenommen haben. Das ist mal Passion!

Als ich 2009 das Review über Soul Controls zweites Album „Cycles“ (das erste mit Rory am Mikrophon) schrieb und anmerkte, dass sich vieles anhört, als stamme es aus der Feder von Verse, dann hätte ich nicht gedacht, dass ich diesen Satz gut drei Jahre später einmal umkehren muss. Auf „Bitter Clarity, Uncommon Grace“, ihrem aktuellen Album, klingen Verse mehr nach Soul Control auf dieser und ihrer letzten EP „Get Out Now“. Wer also bis jetzt noch keinen Blick auf Soul Control riskiert hat (wer das wirklich noch nicht hat, der schäme sich bitte genau jetzt!) und die Reunion von Verse und ihre neuen, in eine progressivere Richtung gehenden Songs feiert, der sollte hier unbedingt reinhören. Mit „Bore Core“ setzen Soul Control ihre progressive Reise weiter fort und loten erneut die Grenzen des modernen Hardcore aus. „Bore Core“ ist so keineswegs „boring“, sondern frisch und authentisch, so wie man es von der Kombo aus Rhode Island gewohnt ist.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News, Facebook
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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