Stray From The Path – Internal Atomics

Label UNFD
Redaktion
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Realität wird durch die Beobachtung geschaffen”, hat Niels Bohr, Begründer des klassischen Atommodells, einst gesagt. Einen ähnlich lyrischen Ansatz verfolgt die Bedeutung von Stray From The Paths neuestem Longplayer “Internal Atomics”: Eine Abhandlung über mentale Gesundheit, die eigene politische Haltung sowie der Wunsch nach Veränderung in der heutigen Welt. Die Jungs aus Long Island machen also da weiter, wo 2017 ihr Album “Only Death is Real” aufhörte, mit dem kleinen Unterschied, dass man sich vom alten Label Sumerian Records verabschiedet hat und zu UNFD gewechselt ist. An Produzent Will Putney hat man jedoch weiterhin festgehalten. Inzwischen hat man gemeinsam fünf Alben produziert, wodurch Putney eigentlich als Bestandteil der Band zählen sollte.

Thinking like everyone else, is not really thinking”, ertönt es schon fast mantra-artig beim Opener “Ring Leader” bis es sich wie ein Gewitter entlädt und Sänger Andrew Dijorio Gift und Galle spuckt. Was ihn umtreibt, ist wohl mehr als eindeutig: “When the blind leads the blind […] Have you lost your goddamn mind? […] The circus is nothing without the clown, we gave them a stage but we can tear it down”. “Kickback”, gemeinsam mit Counterparts Brendan Murphy, schließt sich nahtlos an. Textlich und gesanglich schwächelt der Song dennoch etwas. Der Refrain wirkt etwas einfallslos und Dijorio scheint der Flow zu fehlen.

Nach “First will be last” macht sich schon beinahe etwas Enttäuschung breit. Glücklicherweise zaubert “Fortune Teller” einem dann wieder ein Grinsen ins Gesicht. “Firewalk with me” lautet die Einladung, um barfuß über heiße Kohlen zu gehen. Einst ein traditionelles Ritual der Naturvölker, heute Teambuilding-Maßnahme für Chefetagen. Für Andrew Dijorio, der sich mit seiner eigenen mentalen Gesundheit bereits auf dem Vorgängeralbum in “Strange Fiction” befasste , ist es ein Aufruf, dass sich niemand damit alleine auseinandersetzen muss.

Zur Mitte des Albums hat man dann auch das Gefühl, dass Stray From The Path und auch man selbst endlich einen Groove gefunden hat und man nun die Dampfwalzen auspackt. Vor allem “Beneath the Surface” begeistert in jeglicher Hinsicht. Das kratzende Vinyl am Anfang fährt die emotionale Schrottpresse hoch, die von den Jungs angetrieben wird. Wer jetzt noch Vergleiche zu Rage Against The Machine gezogen hat, sollte nun eines besseren belehrt werden.

Mit “Actions not Words” findet das Album einen gelungenen Abschluss. Unter dem gleichen Motto war das Quartett für das Clean Water Projekt in Kenia unterwegs, um die Hardcore Help Foundation zu unterstützen. Hier werden die Herren noch einmal deutlich: “Thoughts and prayers get us nowhere /Fuck what you heard/ Actions speak louder than words”.

Beim immerhin neunten Studioalbum nicht langweilig zu wirken, ist durchaus anzuerkennen. “Internal Atomics” trifft mit seinem wutentbrannten Crossover thematisch den Nerv der Zeit und macht zudem auch noch Spaß. Stray From The Path haben ihre Botschaft klar gemacht: Der erhobene und vom Hashtag gefolgte Zeigefinger birgt bei weitem nicht so viel Potential, wie selbst mit gutem Beispiel voranzugehen.

Autor Philip Kleinau
Wohnort München
Beruf Techniker
Dabei seit Juni 2019
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Berichte
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