Strife – Incision

Album Incision
Band Strife
Label War Records
Musikrichtung Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
3

In den 90er Jahren heroisch von der aufkommenden Straight-Edge Community gefeiert, wurden Strife damals schnell zu einer der angesagtesten Bands des Genres. Mit ihren ersten beiden Alben „One Truth“ (1994) und dem überragendem „In This Difiance“ (1997), galten die Kalifornier neben Bands wie Earth Crisis und Snapcase, sogar zu dem Innovatoren des Hardcore damals zu bieten hatte. Zwei Jahre später aber löste die Band sich völlig überraschend auf. Erschöpfung durch die ausgedehnten Tourneen und musikalische Differenzen sollen die Gründe gewesen sein. Schon 2001 kehrte man aber erstmals zurück und veröffentlichte mit „Angermeans“ auch gleich ein neues Album.

Doch legten Strife ihre Straight-Edge-Identität darin ab. Dazu kam eine scheinbare Abkehr von ihrem üblichen Hardcore-Sound, eine musikalische Neuausrichtung, wofür die Band damals viel Kritik einstecken musste. Danach wurde es wieder ruhiger um die Band. Nur noch vereinzelt spielten sie Shows und sorgten 2011 mit einer Japan-Tour zusammen mit Floorpunch für Aufsehen. Im Jahr 2012 wagten Strife dann das neuerliche Comeback mit „Witness A Rebirth“. Und dieses Mal sollten ihre Fans nicht enttäuscht werden. Die Band kehrte zu ihren Wurzeln zurück und kam stilistisch wieder an den Sound von „In This Difiance“ heran. Mit Gastauftritten von Scott Vogel (Terror), Billy Graziadei (Biohazard) und Marc Rizzo (Soulfly), konnte man obendrein wieder Rückhalt aus der Szene gewinnen.

Nun schreiben wir das Jahr 2015 und Strife sind immer noch da – konkret mit ihrer neuen EP „Incision“. Mit Terror Schlagzeuger Nick Jett scheint zumindest der richtige Produzent definitiv im Boot gewesen zu sein
„Still Searching“ macht den Anfang mit treibenden Mid-Tempo Riffings, die auf einen wütenden Rick Rodney treffen – im Kern des Textes auf der ständigen Suche nach Antworten im Leben. Er kritisiert, dass Menschen diese zu oft in Extremen suchen, seien es Religionen oder Lebenseinstellungen. Vielmehr soll man sich so Rodney auf sich selbst konzentrieren und seine innersten Bedürfnisse reflektieren. Für den Titelsong „Incision“ hat man sich mit Ringworm Sänger James „Human Furnace“ Bulloch und den ehemaligen Integrity Gitarristen Aaron Melnick Unterstützung ins Boot geholt. Inhaltlich wird der Protagonist, der mit seinem Leben längst abgeschlossen hat, durch seine teuflische innere Stimme, hier schlussendlich in den Selbstmord getrieben. Mit „Revelations“ wird’s dann politisch. Rodney wütet ob der scheinbaren Ausbeutung durch das System und gibt gleichzeitig eine Art Warnung ab. Die Gesellschaft stehe an einem Wendepunkt und werde bald die Konsequenzen ernten, wettert Rodney munter drauf los. Den EP-Rausschmeißer gibt eine Neuinterpretation des Black Flag Klassikers „Police Story“. Inhaltlich hat der Song auch nach 25 Jahren nicht an Relevanz und Brisanz verloren. Immer mehr Menschen sterben durch Polizeigewalt und diese hat in den letzten Jahren ein immer größeres Maß an Brutalität angenommen.

Strife sprechen mit ihrer neuen EP aktuelle politische aber auch soziale Brennpunkte an. Ihnen nun eine weitere Wiedergeburt zu bescheinigen, wäre aber definitiv zu viel des Guten. Vielmehr stellt sich die EP brav in Reihe mit dem letzten Album „Witness A Rebirth“. Eine solide EP, die durchaus Gehör finden sollte, aber kein „einschneidendes“ Erlebnis ist.

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