Strike Anywhere – Nightmares Of The West

Musikrichtung Punk
Redaktion
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Mehr als zehn Jahre nach ihrem letzten Output, „Iron Front“, veröffentlichen Strike Anywhere dieser Tage ihre neue EP „Nightmares Of The West“ und es ist, als hätte es diese Jahre nicht gegeben. Der ein oder andere ist heute vermutlich gar nicht mehr mit der großartigen Diskographie der Punk-Band aus Richmond VA vertraut, beginnend bei der ersten Demo 1999, die sich in Teilen auf dem ersten offiziellen Release „Chorus Of One“ wiederfindet, bis hin zu besagtem „Iron Front“. Seitdem ist es ruhiger um die Band geworden, vereinzelte Touren, aber Releases gab es höchstens von Nebenprojekten, wie der All-Star Gruppe Great Collapse, bei der Thomas Barnett ebenfalls am Mikro zu finden ist.

Nun also „Nightmares Of The West“: sechs eigene neue Songs und ein Coversong, der sich aber sehr rund in Sound und Stimmung einfügt („Opener“ von Blocko). Drei Songs gab es schon vorab zu hören („Dress The Wounds“, „Imperium Of Waste“ und „Frontier Glitch“) und auch die anderen vier Songs stehen den beiden in nichts nach.

Mit den ersten Takten von „Documentary“ wird klar, dass Strike Anywhere wieder (oder noch immer?) da sind. Und die alten Tugenden werden wieder auspackt: treibende Punkrock-Hymnen voller Melodien, Thomas Barnetts Stimme immer kurz vor dem Umschlagen ins Schreien, eingestreute Crewshouts und Chöre, sodass ganz automatisch die eigene Faust nach oben geht und man „Where’s the reason? Where’s the liberty?“ mitbrüllen möchte.

Die EP ist rundum mitreißend und bleibt sofort im Ohr hängen. Strike Anywhere sind noch immer wütend, das merkt man. Textlich geht es nach wie vor um Politik, um soziale Gerechtigkeit im Großen wie im Kleinen, aber auch um den Umgang mit Verlusten. Alles aber immer mit einem klar positiven Blick nach vorne, wie die Thomas Barnett zusammenfasst: „[…] Es geht noch nicht einmal darum, alle Antworten zu haben, aber es geht darum, dass es wirklich wichtig ist, diese Stärke zu finden. Es ist wirklich wichtig, im Spiel zu bleiben und Liebe zu empfinden, und das Gefühl zu haben, dass es sich lohnt, für seine Familie – und alle und alles um einen herum – zu kämpfen.“

Aufgenommen wurde die EP bei Brian McTernan in Salad Days Studio in Baltimore und an der Produktion ist wahrlich nichts auszusetzen. So muss eine moderne Punktrock-Platte klingen. Aber: Warum nur sieben Songs? Diese Frage bleibt am Ende. Denn „Nightmares of the West“ reiht sich ohne Schwierigkeiten in das bisherige Werk von Strike Anywhere ein, für ein wirkliches Comeback allerdings ist es irgendwie zu wenig – quantitativ wie qualitativ, weil es nur wenige Songs sind und es nur wenig Neues zu hören gibt. So bleibt eine wunderbare EP, die motiviert, auch die mehr als eine Dekade zurückliegende Diskographie von Strike Anywhere wieder herauszuholen.

Autor Tobias Luger
Wohnort Hamburg
Beruf ja
Dabei seit 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Fotos, auch mal Interviews oder Reviews
Top-Alben Shai Hulud - alles rauf und runter, Poison The Well - The Opposite Of December, Bane - Don't Wait Up
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