Suicide Silence – Become The Hunter

Album Become The Hunter
Musikrichtung Deathcore
Redaktion
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Suicide Silence fünftes Album lässt sich durchaus als rekordverdächtig beschreiben, wenngleich die Band auf diese Zuschreibung vermutlich nur allzu gerne verzichten würde. Denn es fällt schwer, sich an ein Core-Album zu erinnern, dass auch nur annähernd so viel Häme und bitterböse Ablehnung erntete wie ihr Werk aus dem Jahr 2017. Fast schon legendär und längst zum Meme geworden, ist Jared Dines Video zur ersten Single-Auskopplung „Doris“, das Suicide Silence seitdem auf Schritt und Tritt verfolgt. Kaum eine Kommentarspalte ohne „Tehee“.

Dabei kann einem insbesondere Eddie Hermida eigentlich nur leidtun. Seitdem dieser 2013 mit der ziemlich unmöglichen Aufgabe betraut wurde, den tragisch verstorbenen Mitch Lucker zu beerben, hat Hermida mit Anfeindungen und Geschmacklosigkeiten im Netz zu kämpfen. Bittere Ironie ist in diesem Zusammenhang der Umstand, dass bis heute der Eindruck entsteht, dass der Sänger bei einem großen Teil der Suicide Silence Anhängerschaft nie eine Chance hatte, während Fans seiner Ex-Band All Shall Perish verbittert über seinen Abgang waren und es noch heute sind. Alles in allem mochte man wohl kaum in der Haut der fünf Herren stecken, als diese Ende 2019 „Become The Hunter“ ankündigten.

Tatsächlich scheint der andauernde Shitstorm nun aber eine dermaßen große Wirkung entfaltet zu haben, dass im Netz der Gag zu lesen war, Jared Dines allein habe es vollbracht, Suicide Silence so sehr der Lächerlichkeit preiszugeben, dass diese ihre musikalischen Experimente einfach mal komplett aufgegeben haben. Obgleich man diese These sicherlich mit einem Augenzwinkern verstehen sollte, zeugt „Become The Hunter“ von nichts anderem: Eine radikale Rückkehr zu den musikalischen Wurzeln der Band.

Inbegriffen sind ein wüst knüppelndes Schlagzeug, fiese Riffs und ein unermüdlich keifender Eddie Hermida – der Beweis, dass es vollkommen lächerlich ist, ihm stimmliches Unvermögen vorzuwerfen – inklusive. „Become The Hunter“ kommt hektisch daher, mit vielen Tempowechseln und einer ganzen Menge Breakdowns. Wer Suicide Silence noch nie mochte, kann sich das Album getrost schenken. Wer allerdings zu der zahlenmäßig ja noch immer signifikanten Fangemeinde der Band gehört, dürfte über das neue Werk höchst erfreut sein.

Schließlich ist das Album eine Reise zurück in die Zeit, als Suicide Silence das noch junge Deathcore-Genre prägten. Bei einer Pre-Breakdown-Line wie „Let’s turn this room into a motherfucking crime scene” („Love Me to Death”) kann man ja schon fast von Retro-Charakter sprechen. Dass Suicide Silence mit der Platte Fanservice betreiben, ist wohl keine allzu gewagte Behauptung. Aber wer kann es ihnen nach den Erfahrungen mit dem letzten Album verdenken?

Autor Joshua Claaßen
Wohnort Goch
Beruf Schüler
Dabei seit Oktober 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews
Top-Alben Ständig im Wandel, zu meinen Favoriten gehören aber auf jeden Fall: Stick To Your Guns - Diamond, Being As An Ocean - How We Both Wondrously Perish / Dear G-d, The Ghost Inside - Get What You Give, The Amity Affliction - Let The Ocean Take Me
Die besten Konzerterlebnisse Kann ich mich nicht festlegen, Stick To Your Guns und Being As An Ocean sind live aber immer ein absolutes Highlight!

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