Symmetry Lover – s/t

Musikrichtung Post-Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
8

Rache ist ein Gericht, das man am besten kalt serviert, besagt ein klingonisches Sprichwort. Symmetry Lover tauschen das Adjektiv kalt gegen laut und liefern fast ganz nebenbei eines der besten Post-Hardcore-Alben des Jahres ab.

„I wish you chaos. I want to be the cause.“

Etwas brodelte in der Dortmunder Punk- und Hardcore-Szene. Etwas Unheilvolles und Aufbrausendes, das unlängst auf dem selbstbetitelten Debütalbum von Symmetry Lover gebannt wurde. Dort schlummert die Bestie nun, ausgestellt wie ein wildes Tier, und wartet nur auf ihre Chance, durch die Gitterstäbe zu greifen und sich ihre Beute zu krallen und für immer an sich zu binden. Der Post-Hardcore von Symmetry Lover ist kein kurzweiliges Musikerlebnis, sondern ein klanggewordenes Statement.

Wirft man einen Blick auf die ehemaligen und zum Teil noch aktuellen Bands der Mitglieder, wird einem relativ schnell klar, mit wem man es zu tun hat, tummeln sich doch dort etwa Namen wie Antenna, Meraine oder Remember. Da muss die Chemie ja stimmen, könnte man meinen. Aber wie gut das Zusammenspiel bei diesem Quartett klappt, sollte man sich tatsächlich nicht entgehen lassen.

Das Quartett um Sängerin Ina webt Soundteppiche so dicht wie der Stoff hochwertiger Canvas beschaffen ist. Das Kollektiv ist sehr gut aufeinander abgestimmt, jeder Instrumentalist für sich genommen bringt zudem noch sehr viel Qualität mit. Das bemerkt man vor allem in den Momenten, wenn Diez (Schlagzeug), Flo (Gitarre) und Mirko (Bass) sich Freiräume für kleine Soloausflüge lassen. Besonders gut zu hören, ist diese Mischung in „Golden Thread“, das mit treibenden Melodien brilliert und mit dichtem Sound voranprescht, um sich dann im Mittelteil in kleine Soloparts aufzusplitten. 

Optimal ergänzt wird der harte Sound durch Inas harten und gleichzeitig gefühlvollen Gesang, der vor keiner Schreitirade zurückschreckt. Sparsam eingefluchtete Emo-Parts schaffen eine emotionale, berührende Tiefe zwischen all den brutalen Attacken und dem Soundchaos. Die durchweg vor Kraft strotzenden Lyrics drehen sich um Rachegelüste und Selbstbestimmung, stellen sich gegen Engstirnigkeit und Sexismus. Transportiert durch einen rohen und gleichzeitig druckvollen Sound, der 2019 jedes Post-Hardcore-Herz höher schlagen lassen wird.

Symmetry Lovers Abrechnung ist gewaltig. Acht Songs, die ins Ohr und ins Herz gehen – mit Hirn und Hingabe. Diese Band sollte man in Zukunft auf keinen Fall aus den Augen verlieren.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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