The Beths – Jump Rope Gazers

Band The Beths
Musikrichtung Indie-Rock
Redaktion
Lesermeinung
6

Das gemeinhin als knifflig geltende zweite Album inmitten des Corona-Sommers herauszubringen ist riskant, ist der Bandbetrieb doch weitestgehend lahmgelegt und auch mit einer klassischen Release-Show zum Anfassen kann man zurzeit nicht auf sich aufmerksam machen. So laufen The Beths aus Neuseeland Gefahr, einfach überhört zu werden, denn an ihrer Musik sticht leider wenig so richtig heraus. „Jump Rope Gazers“ ist der Nachfolger zu „Future Me Hates Me“ von 2018 und das hatte mit „Little Death“ zumindest einen Über-Song am Start. Aus dessen Schatten vermag keine der zehn neuen Nummern wirklich herauszutreten.

Man kann The Beths anhören wie sie privat vermutlich zu 90s-Indie, Punk und Midwest Emo stehen. Sie selbst spielen eher unauffälligen und braven Pop-Rock, in dem die Rhythmusgitarre zwar auch mal an Distortion denken darf, nur eben bloß nicht zu viel, und die Leadgitarre meist ordentlich gniedelt. Darüber gibt es zuckrige Vocals von Elizabeth Stokes, die zwar eine wundervolle Stimme, aber nicht unbedingt einen Preis für Ausdruck und Variation verdient hat. Referenzen aus deutschen Gefilden? Die Aucklander klingen ein bisschen wie Juli in den wenigen Momenten, wo die mal ihre Verstärker aufdrehen.

Alles eben irgendwie okay, aber leider meist auch wenig beeindruckend, zumindest bis sich „Don’t Go Away“ gegen Ende schüchtern an Tempiwechseln und einem kleinen Krachmoment versucht. „Mars, the God of War” im gleichnamigen Song ist eher ein laues Lüftchen als eine bedrohliche Sturmfront. Die Lagerfeuer-Ballade „You Are A Beam of Light“ fingerpickt sich erfolgreich am Langzeitgedächtnis vorbei.

Dabei haben der Titeltrack, „Acrid“ oder „Dying to Believe“ eigentlich nette Melodien und gerade mit der Single „Out of Sight“ haben The Beths einen veritablen Sommer-Hit in petto. Das melancholische „Do You Want Me Now” überzeugt sogar auf ganzer Linie. Hopfen und Malz sind auf „Jump Rope Gazers“ also definitiv nicht verloren, Mehrwert und Nachhaltigkeit jedoch irgendwo verschütt gegangen. The Beths musizieren tapfer gegen ihre fehlende Überzeugungskraft an.

Dabei sind eigentlich alle Zutaten da! Man möchte die Musiker in den Arm nehmen und ihnen warme, aufmunternde Worte zuflüstern. Oder die Dinge selbst in die Hand nehmen, teilen sich The Beths doch ein Label mit Cloud Nothings. Deren Dylan Baldi gibt bestimmt gerne Nachhilfe darin, wie man laute Gitarren und weltumarmende Pop-Hooks in Einklang bringt, wenn man ihn lieb fragt. Lieb sind The Beths nämlich auf jeden Fall. Böse Zungen möchten aber auch behaupten: ein bisschen langweilig. Oder wie die Band es leider direkt zum Einstieg selbst auf den Punkt bringt: „I’m Not Getting Excited.“

Autor Ralf Hoff
Wohnort Frankfurt
Beruf Student
Dabei seit Oktober 2018
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