The Devil Wears Prada – The Act

Album The Act
Musikrichtung Post-Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
0

Seit bald 15 Jahren gibt es The Devil Wears Prada nun schon – Ermüdungserscheinungen zeichnen sich trotzdem nicht ab. Dazu bestach der 2016er-Output „Transit Blues“ zu sehr mit seinem markanten, oftmals herrlich ungemütlichen Sound, der alles andere als übermüdet klang. Gleiches gilt für die kurz zuvor erschienene „Space EP“ mit ihrer wunderbar atmosphärischen Gestaltung, die nicht zuletzt das kreative Potential der Band offenbarte. Auf Studioalbum Nummer sieben – „The Act“ – durfte man also durchaus gespannt sein. Schließlich ließ Sänger Mike Hranica in einem Interview mit Alternative Press wissen, dass man sich diesmal etwas Neues getraut habe: „We wanted to do something that tries to avoid the tiredess and nail it in”.

Und tatsächlich: “The Act” hebt sich spürbar vom Vorgänger ab. The Devil Wears Prada reduzieren deutlich das Tempo und klang „Transit Blues“ oftmals kantig und harsch, spielen sich nun stärker behagliche Klänge in den Vordergrund. Der aufgeregte und hastige Opener „Switchblade“ spiegelt diese Entwicklung noch nicht wider, das kurz darauf folgende „Chemical“ setzt dem dann allerdings eine durchaus gelungene, wenngleich unauffällige Ballade gegenüber und enthüllt ein ein Stück weit das neue Gesicht, das sich die Band auf „The Act“ verpasst hat.

Erfreulicherweise klingen die fünf Herren aus dem US-Bundesstaat Ohio dabei immer noch nach The Devil Wears Prada, auch wenn sich einige Schwerpunkte und Akzente verschoben haben. Als Beispiel lässt sich hier „Please Say No“ nennen, das grelle Shouts, die den minimalistischen instrumentalen Hintergrund durchbrechen, mit einem behutsamen und harmonischen Refrain zusammenführt.

 

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Hranica im eingangs erwähnten Interview Parallelen zwischen „Please Say No“ und dem minimalistischen Sound der Pop-Senkrechtstarterin Billie Eilish zieht. Und wenngleich wohl eher nicht mit einer gemeinsamen Tour zu rechnen ist, lässt sich der Minimalismus-Ansatz immer wieder auf dem Album entdecken – sehr deutlich etwa in „As Kids“ und „Even Though“.

„The Act“ profitiert dabei nicht zuletzt von klugem Songwriting. „Numb“ etwa beginnt als unscheinbare Ballade, bis es sich ziemlich plötzlich und nicht unbedingt vorhersehbar in einen stampfenden Moshpart entlädt. „Isn’t It Strange“ überzeugt durch den Kontrast zwischen verletzlichen Piano-Passagen und martialischen elektronischen Soundwänden.

Durch interessante Einflüsse und variables Songwriting können The Devil Wears Prada mit „The Act” eben immer wieder überraschen. Wer sich eine konsequente Fortsetzung von „Transit Blues“ gewünscht hat, dürfte zunächst womöglich irritiert sein. Letztlich ist der Band mit „The Act“ aber eine spannende Neuorientierung gelungen, die Lob verdient hat.

Autor Joshua Claaßen
Wohnort Goch
Beruf Schüler
Dabei seit Oktober 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews
Top-Alben Ständig im Wandel, zu meinen Favoriten gehören aber auf jeden Fall: Stick To Your Guns - Diamond, Being As An Ocean - How We Both Wondrously Perish / Dear G-d, The Ghost Inside - Get What You Give, The Amity Affliction - Let The Ocean Take Me
Die besten Konzerterlebnisse Kann ich mich nicht festlegen, Stick To Your Guns und Being As An Ocean sind live aber immer ein absolutes Highlight!

Hinterlasse einen Kommentar